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Kirche in WDR 3 | 07.09.2026 | 07:50 Uhr
Sachsen-Anhalt hat gewählt
Es ist passiert. Sachsen-Anhalt hat gewählt. Das Ergebnis hatte sich zwar abgezeichnet, aber es bewegt auch mich hier in Nordrhein-Westfalen, in Lengerich. Diese Wahl bewegt Deutschland. Ich versuche zu verstehen, was die Menschen bewegt hat, so zu wählen. Ich sehe verschiedene Sehnsüchte. Nach Wechsel, nach Ordnung und Sicherheit, nach Wohlstand und nach der guten alten Zeit. Wo sich gerade so viel verändert. nachvollziehbare Wünsche. Aber ich bin ein schwuler Christ und daher sorge ich mich. Was ich aus der blauen Partei nämlich hauptsächlich wahrnehme, ist das Gegenteil von Glaube, Hoffnung und Liebe. Hört man sich die Reden aus den Landtagen und dem Bundestag an, geht es vor allen Dingen um Einteilung in bessere und schlechtere Menschen, um ein Familienbild mit klarer Rollenverteilung und um das Schüren von Hass gegenüber allem, was nicht in das Bild passt von einer längst vergangenen Zeit. Und dann betrifft es mich plötzlich ganz persönlich und mit mir viele queere Menschen, die sich in dieser guten alten Zeit noch verstecken mussten. Und auch wenn das nur meine persönlichen Ängste beschreibt, so kann doch nun eines wirklich von allen festgestellt werden: Unsere Gesellschaft ist so gespalten wie lange nicht. Gerade in den sozialen Medien begegne ich immer häufiger Hass, Verachtung und einer Sprache, die den anderen nicht mehr als Menschen sieht, sondern als Gegner. Mir scheint fast, als gelte heute „Hate sells“. Sachsen-Anhalt hat gewählt, in NRW steht sie uns im nächsten Frühjahr bevor. Doch unabhängig davon, wie die Wahlen dann bei uns ausgehen, bleibt für mich die eigentliche Frage: Wie wollen wir als Gesellschaft miteinander umgehen? Klar, wir leben in einer Zeit voller Krisen und Unsicherheiten. Es gibt Sorgen und Probleme, über die müssen wir sprechen. Aber damit das gelingt, sollten wir wieder etwas gelassener miteinander werden. Wenn wir nicht hinter jeder anderen Meinung sofort einen Feind vermuten, sondern zunächst einen Menschen. Wie das geht? Dafür habe ich auch kein Patentrezept. Aber ich hoffe, dass wir den Willen nicht verlieren, gesellschaftliche Gräben wieder zu schließen. Dass wir wieder mehr zuhören als verurteilen. Versuchen zu verstehen, statt dem anderen zu unterstellen, dass er oder sie es immer noch nicht verstanden hat. und mein größter Wunsch ist es, dass unsere Gesellschaft wieder neu lernt, leben und leben zu lassen. Und dass Paulus irgendwie recht hatte, dass am Ende Glaube, Hoffnung und Liebe bleiben und wir so in eine Zeit nach der Wahl gehen. Aus Lengerich grüßt Sie Pastoralassistent Jan Diekmann.
