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Sonntagskirche | 30.08.2026 | 08:55 Uhr
Neusser Bürgerschützenfest
Während Sie
diese Sendung hören, sind in Neuss am Rhein schon viele Menschen unterwegs. Genau:
Schützenfest in Neuss. Ein Pflichttermin in meiner Region. Gerade sind sie
unterwegs in festlicher Kleidung, bunten Uniformen durch die bunt geschmückte
Stadt zum Wahrzeichen von Neuss, dem altehrwürdigen Quirinus-Münster. In der
prachtvollen, spätromanischen Basilika beginnt in wenigen Minuten der
Festgottesdienst zum Neusser Bürgerschützenfest. Es ist das größte Schützenfest
der Welt, das jährlich von einem einzigen Verein durchgeführt wird. Das prägt
diese Stadt seit Generationen durch und durch. In der Nachkriegszeit sprach man
sogar von den drei großen, rheinischen Festen: Karneval in Köln, Schützenfest
in Neuss und Fronleichnam in Krefeld. Das ist längst vorbei – und doch hat das
Neusser Schützenfest seinen Status immer weiter ausgebaut. Und wenn sich nach
dem Festgottesdienst im
Quirinus-Münster die große Königsparade mit über 6000 Schützen
und 1600 Musikern in Bewegung setzt, schlägt das Herz der Neusser höher. Im
Mittelpunkt steht dabei der Schützenkönig mit seiner Gattin; das sind heute
Franz-Josef und Claudia Odendahl.
Ein solch prägendes Fest macht etwas mit einer Stadtgesellschaft. Das ist in Neuss an allen Ecken und Enden zu spüren, denn es gilt der Satz: „Mit Schützen geht in Neuss alles – ohne oder gegen Schützen geht in Neuss gar nichts.“ Schütze in Neuss und Mitglied in einem Schützenzug sein, das heißt, Teil einer Lebensgemeinschaft zu sein. Kaum ein Lebensereignis, an dem die Zugfamilie keinen Anteil hat. Und in diesen Gemeinschaften wird alles geregelt: Umzug? – Keine Frage – wir helfen! Plötzlich arbeitslos? – Was haste gelernt? Meld‘ Dich mal da und bei dem, da geht sicher was! Problem bei der Kinderbetreuung? – Kein Thema – bring die Kleinen bei uns vorbei!
Für fast jedes Problem gibt es pragmatische Lösungen – wie das eben in einer solchen Lebensgemeinschaft fürs Leben so ist. Und wenn man irgendwo in der Welt unterwegs ist – am letzten August-Wochenende steht nur eins auf dem Programm: Schützenfest. Ist dazu ein Langstreckenflug nötig: Was muss, das muss eben.
Oft von der Öffentlichkeit unbemerkt nehmen die Schützen auch zahlreiche soziale Aufgaben wahr – und vollziehen damit die mittelalterlichen Ursprünge des Schützenwesens nach: Witwen, Waisen und in Not geratenen Menschen zu helfen. Und das geht sehr oft weit über die Grenzen der alten Hansestadt hinaus. Obwohl natürlich das Schützenwesen christlich geprägte Wurzeln hat, zeigen sich gerade die Neusser Schützen in unnachahmlicher, rheinischer Offenheit. Sie verstehen sich überkonfessionell und multi-religiös und bieten jedem, der es möchte, eine echte Heimat. Und sich dafür ein paar Tage Ende August selbst zu feiern – das gibt wieder Kraft und Stärke für den Alltag. Gut so. Denn in Neuss gibt es in diesem Sinne eh nur drei Jahreszeiten: Vor de Tage – auf de Tage – nach de Tage.
Und wenn Sie mögen, schalten Sie doch heute nachmittag das WDR-Fernsehen ein oder verfolgen gleich ab 10 Uhr den Internet Live-Stream der Königsparade vom Neusser Markt.
