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Hörmal | 12.07.2026 | 07:45 Uhr
das Beste hoffen
„Woll‘n wir mal
das Beste hoffen!“, sagt meine Tante, wenn sie sich so ihre Gedanken macht. Vor
allem, wenn sie von ihren Sorgen erzählt. Dann schließt sie mit genau diesem
Satz: „Woll‘n wir mal das Beste hoffen!“ Tante Ursula schaut auf ein langes
Leben. Anfang Juni haben wir erst ihren 96. Geburtstag gefeiert. Geistig fit erfreut
sie sich an ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln. Bei so einem langen Leben kommt
natürlich viel zusammen:
Als Kind hat sie den Krieg noch erlebt und
musste vor den Bombenangriffen im Ruhrgebiet fliehen. Natürlich war dann der Wiederaufbau
mit Wirtschaftswunder usw. Ab da also: Glückauf! – Wenn allerdings nicht auch
noch anderes gewesen wäre: Tante Ursula musste den Tot ihrer Tochter
verarbeiten. Diese starb bei einem Verkehrsunfall als kleines Mädchen. Da war Tante
Ursula gerade schwanger mit ihrem vierten Kind. Schließlich verlor sie ihren
Mann zu früh an Krebs. Das alles will ja verkraftet werden. Bis heute denkt sie
viel nach über ihre ganze Familie mit den einzelnen Schicksalen. Sie schaut allerdings
nicht nur zurück, sondern auch nach vorne in die Zukunft und fragt sich besorgt
angesichts von Krieg und Umweltzerstörung: Was wird wohl aus den Enkeln und
Urenkeln? Ob es doch wieder Krieg gibt? Und auch: Was wird wohl aus dem
Christentum in unserem Land? Und dann, dann kommt der Satz: „Woll‘n wir mal das
Beste hoffen!“
Meine Tante drückt damit eine religiöse Zuversicht aus, die nicht naiv ist, die nicht frömmlerisch die Hände in den Schoß legt, sondern weiter anpackt. Mit 96! Und Tante Ursula sagt: "Ich bin froh, dass ich den christlichen Glauben habe – auch wenn ich mich von so mancher katholischen Lehre habe emanzipieren müssen. Aber wo wäre ich heute, wenn da nicht die Hoffnung gewesen wäre, die mich hat weitermachen lassen?" Also: „Woll‘n wir mal das Beste hoffen!“
Dieser Satz meiner Tante passt heute. Denn Heute ist der internationale Tag der Hoffnung. Und das ist kein Gedenktag, den sich die Christen haben einfallen lassen. Er ist von den Vereinten Nationen ausgerufen worden vor gut einem Jahr. Und die Vereinten Nationen begründen das so:„In einer Welt, die mit wachsenden Unruhen, zunehmenden sozialen Spaltungen sowie anhaltenden wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen konfrontiert ist, sucht die Weltgemeinschaft weiterhin nach Werten, die verbinden statt spalten. Unter diesen sticht die Hoffnung als eine äußerst mächtige und universell wirksame Kraft hervor.“[1]
Und an einer anderen Stelle betonen die Vereinten Nationen: „Es gibt keinen Frieden ohne Hoffnung, keine Entwicklung ohne Vertrauen und keine Zukunft ohne den Glauben an sie.“[2]
Das stimmt! Und deshalb ist es so wichtig, nicht dabei stehen zu bleiben, wenn etwas schiefläuft und scheitert, sondern weiter zu schauen, weiter zu handeln und es noch einmal zu versuchen, auch wenn ich den Ausgang nicht kenne. Da bin ich ganz bei meiner Tante mit ihrem Satz, den ich als Motivation zum Handeln verstehe: „Woll‘n wir mal das Beste hoffen!“
[1] https://www.un.org/en/observances/hope-day. [2] Zitiert ebd.
