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Kirche in WDR 3 | 21.09.2026 | 07:50 Uhr
Zu Fuß auf Spurensuche in Assisi
Guten Morgen. Puh, ich bin platt. Und das liegt nicht an der gestrigen Landtagswahl. Das Thema ist ja dasselbe wie vor 2 Wochen: Ich bin von einer Reise platt und meine Füße sind es auch. Heute komme ich zurück aus Assisi. Dahin war ich mit Kolleginnen und Kollegen auf den Spuren des Heiligen Franziskus zu Fuß unterwegs. Franz fasziniert mich. Die Kirche verehrt ihn als Heiligen. Dabei sieht sein Leben zunächst ganz und gar nicht heilig aus. 1182 wird er geboren in Assisi. Ein reicher Zögling, gönnt sich, was er will, geht verschwenderisch mit seinen Privilegien um. Erst später kommt die große Kehrtwende. Franz entdeckt die Schöpfung neu, als etwas Kostbares. Nicht als etwas, das man einfach verbraucht, sondern als etwas, das uns anvertraut ist. 800 Jahre vor der Ökobewegung wird er so zu einem echten Natur und Tierliebhaber. Vielleicht ist Franz gerade deshalb heute wieder aktuell. Manchmal denke ich, dass wir seinem früheren Ich ähnlicher sind, als uns lieb ist. Auch wir sind Zöglinge eines Wohlstands, den wir nur zum Teil erarbeitet haben, der aber auch Ressourcen kostet. Anders als Franz spüren wir die Folgen davon deutlich. Eine Gluthitze wie in diesem Rekordsommer sollte uns zu denken geben. Und trotzdem fällt es mir schwer, meinen eigenen Lebensstil wirklich zu verändern. Tja, und auf so einer Pilgerreise, auf dem Weg nach Assisi, da kommt man dann nicht mehr vorbei an sich. Ich hatte viel Zeit nachzudenken. Nicht nur über Franz, sondern auch über mein eigenes Leben. Läuft eigentlich alles so, wie ich mir das wünsche für mich und meine Umwelt? Wohl kaum. Ich gönn mir den Kaffee to go, die neuen Klamotten. Auf meinen Urlaub verzichten? Definitiv nicht. Auch ich war beim Thema Klima und Umweltschutz schon motivierter. Was mich an Franz beeindruckt, ist seine Kehrtwende. Er zeigt, dass Veränderung möglich ist. Nicht, weil plötzlich alles einfacher wird. Sondern weil er den Mut hat, neu anzufangen. Genau das nehme ich aus diesen Tagen mit. Und nein, ich werde jetzt nicht wie er damals meine Klamotten zerreißen. Ich werde weiter Urlaub machen und Kaffee trinken. Aber ich will hin und wieder innehalten und ehrlich auf mein Leben schauen. Was ist mir wirklich wichtig? Was möchte ich bewahren? Und wo möchte ich mal umdenken? Vielleicht gibt es eine solche Frage auch in Ihrem Leben. Dann wünsche ich Ihnen den Mut, diesen Gedanken nicht aus dem Weg zu gehen. Veränderung beginnt mit kleinen Entscheidungen. Und manchmal bringen die echten Seelenfrieden. Ich grüße Sie heute mit dem alten Gruß der Franziskus-Bewegung: Pace e Bene Frieden und Gutes. Ihr Pastoralassistent Jan Diekmann aus Lengerich.
