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Kirche in WDR 2 | 16.04.2026 | 05:55 Uhr
Gelassenheit
Gott gebe mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Und die Weisheit das einen vom anderen zu unterscheiden.
Jooh. Meistens kann ich dem zustimmen. Klingt doch ziemlich sinnvoll.
Das sogenannte Gelassenheitsgebet. Es wird dem amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zugeschrieben.
Gott gebe mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Echt jetzt?
Hinnehmen soll ich? Und was heißt schon: nicht ändern. Das weiß man doch schließlich erst, nachdem man es versucht hat. Ab in die Hängematte, kann doch wohl nicht gemeint sein. Gelassenheit extrem, sozusagen. Gar nicht erst versuchen, etwas zu ändern.
Für uns Christen geht es vielmehr darum, sich berühren zu lassen. Vom Leid anderer.
So wie Christus sich berühren lässt. Denn: Sich berühren lassen, verändert einen.
Ok. Es geht aber um die Dinge, die ich nicht ändern kann. Und sofort denke ich: Krieg, Krankheit, Tod. Klar, kann ich keinen Krieg beenden. Aber so gar nichts tun? Immerhin: Ich kann demonstrieren und wählen gehen. Ob das was ändert? Kurzfristig wohl nicht. Ich weiß es nicht. Nur – es nicht nichts. Krankheiten. Hat die medizinische Forschung nicht große Fortschritte erzielt und das Leben ungezählter Menschen gerettet? Hat sie.
Bleibt: der Tod. An ihm gibt es nichts zu ändern. Der Tod kommt oder ist.
Nichts, gar nichts kann ich, kann irgendein Mensch ändern, am Tod.
Nichts gehört enger zum Leben als der Tod. Und hier jetzt: Gelassenheit? Was soll das sein? Keine Ahnung. Ich bin geheiligt, aber kein Heiliger. Gelassenheit? Hinnehmen? Annehmen? Große Worte. Statt Protest? Statt dem Tod mein NEIN entgegen zu brüllen?
Gelassenheit, die nicht zynisch wird, erträgt das Nein.
Am Anfang steht Gott.
Gott gebe mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Es ist die Bitte um eine Gabe Gottes.
Es ist die Bitte, dass Gott für mich tut, was ich nicht tun kann (oder will):
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Gott kann das, weil Gott sich berühren lässt. Jetzt.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
