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Hörmal | 02.08.2026 | 07:45 Uhr
Kalimera
Der Bürgersteig ist wegen einer Baustelle extrem eng. Vor mir geht eine ältere Dame langsam Schritt für Schritt. Erst bleibe ich geduldig hinter ihr. Aber irgendwann denke ich: Ein kleines bisschen schneller dürfte es schon sein. Also sage ich freundlich:
„Entschuldigung, dürfte ich wohl kurz vorbei?“ Die Frau bleibt stehen, tritt
vorsichtig zur Seite und lässt mich durch. Kaum bin ich an ihr vorbei, höre ich
hinter mir ein freundliches:
„Kalimera.“ Ich drehe mich um, lächle und erwidere den Gruß.
Und plötzlich
tauchen Erinnerungen auf: Griechenland. Sonne. Musik. Leichtigkeit. Ich bleibe
stehen und frage: „Sprechen Sie Griechisch?“ Begeistert antwortet die Frau in
ihrer Muttersprache. Ich verstehe kaum etwas und muss lachen:
„Ich spreche leider kein Griechisch. Aber ich habe vor vielen Jahren einmal ein
griechisches Volkslied gelernt.“ Und dann beginne ich zaghaft, zu singen. Was
nun geschieht, verändert diesen engen Bürgersteig vollkommen:
Die Frau lacht laut auf, singt mit, umarmt mich — und plötzlich tanzen wir
mitten zwischen Baustelle, Autos und wartenden Menschen an der Ampel. Wir
lachen. Wir singen. Wir tanzen. Für einen Augenblick scheint die Welt um uns
herum weit zu werden.
Später erzählt mir die Frau, dass sie gerade aus einem orthodoxen Gottesdienst kommt. Ich muss lachen: „Ich war eben auch in einem Gottesdienst.“ sage ich. Wir schauen uns an und sind uns einig: Das gerade eben war ein kleiner humorvoller Gruß des Himmels.
Mich erinnert diese Begegnung an König David in der Bibel. Als die Bundeslade — das Zeichen der Gegenwart Gottes — nach Jerusalem gebracht wird, bricht David in Freude aus. Mitten auf der Straße. Vor aller Augen. Er tanzt. Nicht kontrolliert und würdevoll, wie man es von einem König erwarten würde. Sondern voller Leben. Andere finden das peinlich. David aber ist das egal. Denn manchmal ist Freude größer als die Angst davor, was andere denken.
Vielleicht
ist genau das ein Zeichen der Nähe Gottes:
Dass Menschen plötzlich wirklich lebendig werden.
Dass Fremde miteinander lachen.
Dass Musik
Brücken baut, dass aus einem engen Weg ein Ort der Freude wird. Wie oft laufen
wir aneinander vorbei.
Jeder mit seinen Gedanken, jede in ihrem Tempo.
Und dann genügt manchmal ein einziges Wort, ein Lied, ein gemeinsames Lachen. Und
plötzlich öffnet sich mitten im Alltag ein kleiner Spalt zum Himmel. Ab und an
wird Gottes Gegenwart auch so erlebbar:
Eben nicht nur in großen Kirchen und feierlichen Gottesdiensten.
Sondern vielleicht auch mal mitten auf einem engen Bürgersteig.
Zwischen Baustelle und Ampel. Mitten im Leben.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
