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Hörmal | 06.04.2026 | 07:45 Uhr
Der Regenbogen in der Pfütze
Vor vielen Jahren war ich mit Jugendlichen als Pilgergruppe unterwegs. Wir wollten ein Stück des Jakobswegs gehen – von Wuppertal-Beyenburg nach Aachen. Zu Fuß. Ohne Geld. Nur mit dem Nötigsten im Gepäck. Wir boten unterwegs kleine Arbeiten an, damit wir etwas zu essen oder einen trockenen Schlafplatz bekamen. Jeden Morgen starteten wir wieder bei null. Es war ein Abenteuer und manchmal auch richtig hart.
Eines Tages war alles zu viel. Es regnete in Strömen, wir waren bis auf die Haut durchnässt, Blasen an den Füßen, wir waren hungrig und müde, die Stimmung im Keller. Es gab Streit in der Gruppe, jeder war mit sich beschäftigt, der Weg zog sich wie Kaugummi. Irgendwann riss die Wolkendecke auf und ein Regenbogen spannte sich über den Himmel. Ich stieß meinen Kollegen an: „Sieh mal, ein Regenbogen, das alte Versöhnungszeichen Gottes.“ Er aber schaute nur stur auf den Boden und knurrte: „Ich hab‘ jetzt keine Lust auf Regenbogen.“
Und dann sahen wir beide es. Nicht oben am Himmel. Sondern unten. Direkt vor unseren Füßen spiegelte sich der Regenbogen in einer der vielen Pfützen auf dem matschigen Weg. Wir mussten lachen. Einfach lachen. Mitten in Erschöpfung, Streit und Regen – ein Zeichen, das wir nicht gesucht hatten, aber das uns gefunden hat. Nicht dort, wo wir hingeschaut haben. Sondern dort, wo wir gerade waren.
Als wir abends im Trockenen auf unseren Schlafsäcken saßen, Brötchen und Käse, die man uns geschenkt hatte, teilten, da waren Frust und die schlechte Stimmung verflogen. Da habe ich verstanden: Ostermontag ist genau so. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus erkennen Jesus auch nicht auf den ersten Blick. Sie sind müde, enttäuscht, gereizt. Aber unterwegs, im Gehen, im Teilen des Weges, da geht ihnen das Herz auf. Vielleicht hatten auch sie manches Mal nach oben gesehen, in der Hoffnung der Himmel reiße auf und Jesus wäre dort zu sehen. Dass er der Fremde ist, der ihren Weg teilt, das sehen sie erst nicht. Spät merken sie – am Abend, als sie zusammensitzen und Jesus das Brot teilt, das er es ist. Nicht oben im Himmel, sondern untern bei ihnen. Und dann erkennen sie: Jesus war die ganze Zeit bei uns. Nur anders, als wir erwartet hatten.
So ist Ostermontag: Kein Feuerwerk, kein Paukenschlag. Sondern ein Regenbogen in der Pfütze. Ein Lachen nach einem Streit. Ein Moment, in dem wir merken: Wir sind nicht allein unterwegs.
Redaktion: Landespfarrerin Julia-Rebecca Riedel
