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Kirche in WDR 2 | 24.12.2025 | 05:55 Uhr
I’ll be back.
Spät Heiligabend. Der Trubel ist vorbei. Alle Geschenke sind ausgepackt. Die Gäste wieder zuhause. Die Verpackungsreste ordnungsgemäß entsorgt. Jetzt stehen nur noch Reste des Festessens auf dem Tisch. Sollte ich wohl wegräumen. Oder auch nicht. Mach ich morgen. Ich lasse mich lieber in den Sessel sinken. Einfach nur so. Gedanken aus. Fernseher an.
Bruce Willis schaut mich an. Grimmig. Im Unterhemd und barfuß, dafür aber mit einem Maschinengewehr. Bevor er abdrücken kann, schalte ich um. Da steht Schwarzenegger. Der Terminator. „I‘ll be back!“ Nee, lieber doch nicht. Nächster Sender: Wilde Explosionen. Verfolgungsjagd.
Ich schalte den Apparat aus und sitze ein wenig ratlos da. Ich hatte Weihnachten anders in Erinnerung: So mit Engeln, die vom Frieden singen. Und Hirten, die Hoffnung finden. Von einem Kind, das das Gute in die Welt bringt. Ein Terminator kam da nicht vor.
Ich frage mich: Wie kann das eigentlich sein? Woher kommt diese Gewaltorgie da in meinem Fernseher? Ist das so eine Art Gegenreaktion? Eine Art Abwehr gegen zu viel Gefühl?
Könnte doch sein. Denn Weihnachten geht einem nahe. Es erzählt von der Hoffnung, dass die Welt anders sein könnte, als sie ist: Dass Menschen Frieden machen können. Dass es Hoffnung gibt. Dass ein neugeborenes Kind den Unterschied machen kann. Und jedes Mal, wenn man sich auf diese Erzählung einlässt, wird einem wieder bewusst, wie weit unsere Welt davon entfernt ist. Das tut weh.
Da ist es wahrscheinlich wirklich einfach leichter, das nicht zu sehr an sich heranzulassen. Mit Ballern und Kreischen und Explosionen, einfach die Sehnsucht zu überdecken. Gar nicht daran denken.
Vielleicht ist es aber gerade das, was Weihnachten uns zumutet: Den Schmerz der unerfüllten Sehnsucht nach einer friedlicheren, menschlicheren Welt. Einen Schmerz, der notwendig ist. Denn wer diesen Schmerz nicht mehr spüren kann, dass es doch auch anders gehen muss in dieser Welt, der hält irgendwann tatsächlich das Schreckliche für normal. Krieg und Gewalt für unvermeidlich. Hass? Verachtung? So ist eben die Welt. Wirklich?
Sorry, Arnold. Heute bleibt die Kiste aus. Da räum` ich doch lieber den Esstisch ab. Und dann mach ich den Tannenbaum an und setz mich vor unsere Weihnachtskrippe. Und bin ein bisschen wehmütig. Weil eben nichts so ist, wie es sein sollte. Aber diese Wehmut tut mir, glaube ich, ganz gut. einmal im Jahr tut mir, glaube ich, ganz gut. Sie gibt mir die Kraft, nicht aufzugeben und weiterzumachen, auch wenn sich so vieles dunkel und verkehrt anfühlt.
Das ist ein Geschenk, oder?
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
