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Kirche in WDR 5 | 31.10.2026 | 07:55 Uhr
Geistergeschichten
Guten Morgen.
Welchen Geist würden Sie gerne vertreiben? Ich meine nicht die verkleideten Kinder, die uns heute Abend an der Tür „erschrecken“ wollen. Da droht keine Gefahr. Das Schrecklichste, was meine Kinder einmal als Verkleidung präsentiert hatten, war das „Bürokratiemonster“. Mein persönlicher Angstgegner.
Spaß beiseite: Die Geister, die uns Erwachsene verfolgen, sind ganz andere. Sie heißen irgendwas mit „Krise“ oder „Verlust“ oder „Krankheit“. Sie rufen nicht „Süßes oder Saures!“, sondern: „Das, was auf Dich zukommt – das ist eine Nummer zu groß für Dich.“ Und vielleicht haben sie sogar recht. Unsere Probleme sind manchmal größer als unsere Kraft.
„Resilienz“ ist dann das Zauberwort, das wie ein Gegengift wirken soll. Gemeint ist damit die Widerstandsfähigkeit gegen gesellschaftliche und persönliche Krisen.
Erst kürzlich hatte ich auch mal wieder eine. Ich bekam eine wirklich schlechte Diagnose, die sich erst Wochen später als weniger dramatisch herausstellte, als befürchtet. Seitdem empfehle ich ein erprobtes Mittel: das Prinzip „Schulhof“.
Es funktioniert nach dem Motto: „Du bist vielleicht stärker als ich. Aber warte nur, gleich kommt mein großer Bruder. Und der ist stärker als Du!“ Die christliche Variante davon klingt so: „Erzähl Gott, wie groß Dein Problem ist. Aber danach musst Du auch Deinem Problem erzählen, wie groß Dein Gott ist.“
Das hilft. Seit mindestens 509 Jahren. Da hatte ein Mönch jahrelang gerungen mit seiner Zukunftsangst. Er hatte Angst vor der Hölle. Nachdem er bis zur totalen Erschöpfung gebetet, gearbeitet und gegrübelt hatte, rettet ihn schließlich ein einziges Wort in der Bibel: Gnade. Gemeint ist: Gott schenkt Dir eine Liebe, die auch der Tod nicht zerstören kann. Egal wie klein Du Dich fühlst. Egal wie wenig Du selbst tun kannst. Denn es liegt nicht an Dir. Diese Liebe ist größer als die Zukunft, die Dir Sorgen macht. Du bist wertvoll. Und nach aller Unsicherheit wartet auf Dich ein ewiges Leben, auf das Du Dich freuen kannst.
So die Erkenntnis, die alles verändert.
Der Mönch hieß Martin Luther. Heute vor 509 Jahren hat er seine Gedanken veröffentlicht. Er hat der Angst vor der Zukunft das Vertrauen auf Gott entgegengesetzt. Der Beginn der Reformation.
Warum ich das erzähle? Sicher nicht, weil heute neben Halloween auch Reformationstag ist. Sondern vielmehr, weil die Höllenangst heute nur noch sehr wenige plagt – ein Erfolg von Martin Luther. Aber die Angst, der Zukunft allein nicht gewachsen zu sein, ist allgegenwärtig. Ich brauche jemanden an meiner Seite, der größer ist als mein Problem. Größer als der Mensch oder als eine Maschine. Größer als KI, Krankheit, Abschied und Tod.
Es wäre unterlassene Hilfeleistung, Ihnen auf der Suche nach Resilienz nicht von diesem Glauben zu erzählen. In den langen Wochen zwischen meiner schlimmen Diagnose und dem glücklichen Befund habe ich mich jedenfalls daran festhalten können.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Happy Halloween und einen fröhlichen Reformationstag wünscht Matthias Kleiböhmer aus Unna.
Quellen:
Lucado, Max, Lucado Andreas: Sag deinen Sorgen, wie groß dein Gott ist. Impulse, die stark machen. Gerth Medien 2022.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
