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Kirche in WDR 4 | 13.04.2026 | 08:55 Uhr
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Wie Neugeborene
Guten Morgen!
Noch einmal ganz neu anfangen. Erkannte Fehler ungeschehen machen, unglückliche Entscheidungen anders treffen, hässliche Worte zurücknehmen, als wären sie nie gesagt worden. Gewissermaßen die Reset-Taste des eigenen Lebens drücken – für eine komplett neue Chance. Wenn´s beim Computer nicht weitergeht, hilft oft ein Neustart – und alles läuft wieder wie geschmiert. Hand aufs Herz: Es gab Situationen, da haben Sie sich das für Ihren Lebensweg gewünscht. Einfach nochmal zurück auf Null, und es dann anders versuchen.
Gestern war der erste Sonntag nach dem Osterfest. Im christlichen Kirchenjahr trägt er den lateinischen Namen Quasimodogeniti, das heißt zu Deutsch: wie Neugeborene.
Altes von sich abstreifen, sich völlig neu aufstellen, unbelastet von allem, was ist und was war: Davon träumt die Menschheit seit eh und je. Da gibt es den Mythos vom Jungbrunnen, der ist uralt und hat bis heute seinen Reiz nicht verloren. Die Vorstellung ist: Man steigt als alter Mensch in den Brunnen hinein und kommt als junger, erneuerter Mensch wieder heraus. Dazu gibt es ein berühmtes Gemälde von Lukas Cranach aus dem 16. Jahrhundert: Es zeigt ein Gewässer, zu dem von überallher Alte und Kranke strömen, um hineinzusteigen und wenig später gänzlich verwandelt wieder aufzutauchen: jung, gesund, makellos, schön. Rundum erneuert. Quasimodogeniti: Dieser Sonntag erinnert daran, dass Christinnen und Christen durch die Taufe in eine neue Wirklichkeit versetzt sind. Wie Neugeborene. So ähnlich wie beim Jungbrunnen – und doch ganz anders. Denn die Taufe macht nicht jünger und gesünder, nicht makelloser und schöner. Sie setzt mich vielmehr auf eine völlig neue Lebensspur. Auf die Spur Jesu Christi. Und die führt immer und überall und unter allen Umständen ins Leben. Selbst durch den Tod hindurch. Eine unerschütterliche Hoffnungsspur.
Was braucht die durch Machtgier geschundene und kriegsgebeutelte Welt gegenwärtig nötiger als Menschen, die in dieser Spur unterwegs sind und daraus ihre Kraft ziehen? Die nicht gebannt darauf starren, was in der Vergangenheit alles schiefgelaufen ist; die sich nicht lähmen lassen von dem schrecklichen Elend, das in der Gegenwart vielerorts zum Himmel schreit. Menschen, die trotzdem reden und trotzdem handeln, jetzt erst recht – auf hoffnungsvolle Zukunft hin. Als wären sie – obwohl längst erwachsen – noch einmal neu geboren. Eine Neugeburt dieser Art kann sich täglich ereignen, und das nicht nur einmal im Leben. Auch heute könnte es sein. Oder morgen. Bleiben Sie darauf gefasst, an jedem Tag – es setzt ungeahnte Kräfte frei!
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Das wünscht Ihnen Pfarrerin Annette Kurschus, Bielefeld.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
