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Kirche in WDR 5 | 07.10.2026 | 06:55 Uhr
Seligsprechung vor 25 Jahren
Guten Morgen! Nordrhein-Westfalen kennt ja viele große Persönlichkeiten: Konrad Adenauer aus der Politik zum Beispiel, Michael Schumacher aus der Formel 1 oder Ludwig van Beethofen aus der Musik. Heute will ich von zwei kirchlichen Persönlichkeiten erzählen. Die waren eher unscheinbar. Aber vor genau 25 Jahren wurden sie in Rom seliggesprochen und traten damit mehr in die Öffentlichkeit: Schwester Euthymia und Nikolaus Groß. Ich war damals dabei auf dem Petersplatz. Zusammen mit mehreren tausend Pilgern aus Nordrhein-Westfalen. Und wie das bei Seligsprechungen so üblich ist, bestätigte Papst Johannes Paul II. damals in einem großen Gottesdienst feierlich: Beide haben ein vorbildliches Leben geführt und können nun auch besonders in ihrer Heimat verehrt werden. Und was mir heute mehr als damals bewusst ist: Beide stehen für Haltungen, die heute wieder so wichtig geworden sind!
Da ist Schwester Euthymia. Sie gehört dem Orden der Clemensschwestern an, in den sie 1934 mit 20 Jahren eintritt und zur Krankenschwester ausgebildet wird. Während des Zweiten Weltkriegs kümmert sie sich in Dinslaken in einem Krankenhaus ihres Ordens um kranke Kriegsgefangene und Fremdarbeiter aus England, Frankreich, Russland, Polen und der Ukraine. Sie pflegt sie und besorgt ihnen sogar Nahrungsmittel, damit sie nicht hungern müssen. Schwester Euthymia fragt nicht nach Freund oder Feind, sondern hilft einfach den Menschen in Not, obwohl ihr dafür sogar Strafe angedroht wird. Sie handelt ganz nach dem biblischen Motto (Lk 6,27): „Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen!“ Und so nennen die Patienten sie auch schon bald den „Engel der Liebe“.[1]
Und dann ist da Nikolaus Groß, ein Zeitgenosse von Schwester Euthymia. Anders als Euthymia, die eher eine Stille ist, erhebt Nikolaus Groß seine Stimme. Er ist unter anderem Journalist. 1943 schreibt er – und das hätte auch von Schwester Euthymia stammen können: „Die meisten großen Leistungen entstehen aus der täglichen Pflichterfüllung in den kleinen Dingen des Alltags. Dabei gilt unsere besondere Liebe immer den Armen und Kranken.“[2]
Nikolaus Groß wendet sich als christlicher Gewerkschafter schon sehr früh gegen den Nationalsozialismus und begründet seine Haltung gegen Rassismus, Antisemitismus und Führerkult mit der Überzeugung: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“[3] Für seine Haltung ist er bereit zu sterben. Wegen seiner Kontakte zur Widerstandsgruppe des 20. Juli, die für das Hitlerattentat verantwortlich ist, wird er am 15. Januar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Dabei hat er mit dem Attentat direkt nichts zu tun, aber er gilt als Mitläufer. Nikolaus Groß wird am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet und hinterlässt eine Frau und sieben Kinder.
In der Predigt im Rahmen der Seligsprechung sagt Papst Johannes Paul II. dann: „Gerade unsere Zeit braucht dringend überzeugte Christen, die auf die Stimme des Gewissens hören und den Mut aufbringen, den Mund zu öffnen, wenn es um die Würde des Menschen geht.“[4]
Auch wenn Johannes Paul II. das vor 25 Jahren gesagt hat, es bleibt aktuell.
Aus Duisburg grüßt Sie herzlich Pater Philipp Reichling.
[1] Vgl.: https://www.vatican.va/news_services/liturgy/saints/ns_lit_doc_20011007_beat-uffing_ge.html .
[2] https://www.vatican.va/news_services/liturgy/documents/ns_lit_doc_20011007_beat-gross_ge.html .
[3] Vgl. ebd.
[4] https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/speeches/2001/october/documents/hf_jp-ii_spe_20011008_beatification.html .
