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Kirche in WDR 3 | 29.09.2026 | 07:50 Uhr
Michael
Guten Morgen!
„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“ – schon die alten Römer kannten angeblich diese Weisheit des Volksmunds. Und bis heute, in den Zeiten des Rechtsstaats und der Großkanzleien, hört man den mahnenden Spruch - mit Augenzwinkern - vor jedem halbwegs kniffligen Prozess. Vor Gericht und auf hoher See… Unwägbar das Ende. Wie’s ausgeht: abwarten!
Nun ist das vor Gericht unangenehm, immer gewesen. Für Seefahrer allerdings hat der Spruch eine härtere Wahrheit. Im Zweifel geht’s um Leben und Tod da draußen auf dem Meer.
Wer von Hamburg aus über die Elbe zur See fährt, der sieht als Letztes bei der Ausfahrt und als Erstes beim Einlaufen: den Michel. Genauer: Die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, mit ihrem 132 Meter hohen Turm, Wahrzeichen der Hansestadt. Seit 350 Jahren steht die Kirche dort oberhalb des Hafens, immer wieder aufgebaut, Blitzschlag, Brand und Bomben zum Trotz dreimal aus den Trümmern geholt.
Steht man vor dem Michel, sieht man worum es geht bei dieser Kirche, wofür sie seit Jahrhunderten steht. Am Fuß des hohen Turms, direkt über dem Hauptportal, steht der Erzengel Michael. Hoch aufgereckt, fünf Meter groß. Mit mächtigen Flügeln, in Bronze gegossen. Sein linker Fuß tritt auf den Kopf eines Drachens, Sinnbild des Satans. Erzengel Michael zwingt den Teufel in den Staub. In seiner rechten Hand hält Michael eine Lanze –am oberen Ende geformt wie ein Kreuz - bereit zum tödlichen Stoß gegen den Drachen.
St. Michaelis – so heißt der heutige Tag, der 29. September, seit anderthalb Jahrtausenden. Zur Ehre des heiligen Erzengels Michael, der den Satan besiegt, wie das letzte Buch der Bibel es erzählt, die Offenbarung des Johannes. Ungezählte, weltberühmte Kirchen – wie der Michel in Hamburg - sind nach diesem Engel benannt.
Michael – der Name kommt aus
dem Hebräischen und heißt übersetzt: Wer ist wie Gott?
Michael rettet, er zeigt dem Bösen ein für
alle Mal die Grenzen auf.
Kein Wunder also, dass so viele Orte und Legenden an den Erzengel erinnern, auf ihn verweisen. Er gilt als Fürst der himmlischen Heerscharen – vor allem Militär und Polizei halten ihn in Ehren auf der ganzen Welt.
Seit 1000 Jahren gilt Michael zudem als Schutzpatron der Deutschen – Otto der Große hat ihn dazu ernannt.
Kein Zufall also, dass die Hamburger weithin sichtbar, bis an den Horizont, an ihn erinnern. Wer sich auf hohe See begibt, hat den Michel im Blick.
Schiffbruch hat trotzdem so manches Schiff schon erlitten, natürlich. So wie der Michel selbst dreimal schon in Trümmer fiel. Und wie tödliche Sturmfluten Hamburg immer wieder überschwemmt haben. Das Leben ist und bleibt nicht nur auf hoher See und vor Gericht: unwägbar. Wie’s ausgeht weißt du oft nicht.
Im Himmel aber, dafür steht Michael, im Himmel ist das Ende längst beschlossen und besiegelt. Der Satan hat sein Spiel verloren, mag er auf Erden noch so wüten. Und wo immer er’s tut, halt dich daran: Du bist und bleibst auf ewig fest in Gottes Hand.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5 )
Einen schönen Michaelistag!
Ihr
Ulf Schlüter, Soest.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
