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Kirche in WDR 3 | 26.03.2026 | 07:50 Uhr
Licht aus, Spot an
Guten Morgen, endlich ist es so weit: nach langen Monaten der Vorbereitung kommt in Lemgo ein Chormusical auf die Bühne. Auf die ganz Große: 700 Sängerinnen und Sänger sind beteiligt. Das Thema des Musicals? Keine Liebesgeschichte. Sondern: eine Leidensgeschichte. Für Christen ist es die Leidensgeschichte: „Sieben Worte vom Kreuz“ heißt das Mammut-Projekt. Die Musik ist von Albert Frey und das Gesamtwerk kommt aus der Creativen Kirche Witten.
Ich gehöre zum lokalen Leitungsteam und konnte viele intensive Momente miterleben. Mein Eindruck war: Das Projekt ging über die Musik hinaus. Da waren nicht nur Töne und Klang, sondern viele Fragen im Raum, Gefühle und Hoffnungen. Natürlich gings um Sterben. Klar. Aber auch darum: Wie berührt Jesu Botschaft unser heutiges Leben?
Die Textvorlage war klar umrissen: Die Evangelien überliefern sieben Sätze vom sterbenden Jesus am Kreuz. Es sind prägnante Worte sie handeln von Vergebung, Verbundenheit, menschlicher Not, Vollendung, Hingabe, Hoffnung und unendlichem Vertrauen.
In den Proben ist uns die Tiefe dieser Worte begegnet. Und zugleich war Raum für persönliche Erfahrungen. Wir haben verstanden, dass diese sieben kurzen Sätze von Jesus am Kreuz sieben Wege zeigen – Wegweiser in einer lauten, schnellen und oft widersprüchlichen Welt. Die Worte wurden zu Bildern, Bewegungen und stillen Momenten des Nachsinnens.
Jetzt am Samstag machen wir uns auf den Weg zur Phoenix Contact Arena in Lemgo. Die Bühne wird groß sein, das Licht klar, und das Publikum nah dabei. Über allem liegt eine stille Würde: Licht aus, Spot an. Wir erleben gemeinsam, wie die Worte in unsere Zeit übertragen werden. Und wir werden uns fragen: Was bedeutet das Kreuz heute für mich? Wie trage ich Verantwortung für andere? Wie kann ich anderen Halt geben, wenn der Weg hart ist? Und wie können wir gemeinsam Möglichkeiten finden, auch in Trauer Licht zu finden?
Dieser Abend ist kein reines Konzert, sondern ein Gemeinschaftserlebnis. Eine Osterbotschaft – mitten im Leben: Liebe ist stärker als Leid, Gemeinschaft gibt Halt in Zeiten des Zweifels, und aus Schmerz wachsen neue Perspektiven. Und auch wenn Sie es vielleicht nicht schaffen, nach Lemgo zu kommen: Was ich Ihnen trotzdem mitgeben möchte, ist:
Nehmen Sie sich Zeit, jemandem zuzuhören, der Ihre Zuwendung braucht. Bieten Sie konkrete Hilfe an – eine Nachricht, eine Umarmung, ein gemeinsames Gespräch über Belastungen. So wird aus den alten Worten Jesu gelebte, alltägliche Wärme.
Ich wünsche Ihnen eine Zeit voller Trost und Wärme, Licht und Zuversicht.
Annkathrin Tadday
