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Hörmal | 26.07.2026 | 07:45 Uhr
Anna und Joachim / Großeltern
Ok Heintje – das reicht. Wir haben verstanden…
Wobei: was der Kinderstar da – ausgerechnet 1968 – so schnulzig besungen hat, stimmt ja allzu oft: Wenn es die Oma nicht gäb … und den Opa auch.
Immerhin: Heintje sang sich damit in die Herzen unzähliger Omas, und bediente sich dabei klassischer Rollenbilder und klischeehafter Verhaltensmuster. Omas erlauben nämlich meist mehr, als die Eltern es tun, und sie erzählen schöne Geschichten. Deshalb vielleicht seine Liebeserklärung. Naja, wie dem auch sei.
Aktuell belegen Statistiken immer noch, wie wichtig Großmütter und Großväter für die Entwicklung der Enkelkinder sind. Allein in Deutschland werden etwa 3 von 10 Unter-Dreijährigen von den Großeltern betreut.[1] Bei KiTa- und Grundschulkindern sind es 2 von 10. Omas und Opas sind gefragt. Und die Enkel freuen sich meist darüber – denn bei Opa und Oma geht meist mehr, als bei den Eltern.
Studien belegen auch: Großeltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Werten – nicht nur den Religiösen[2].
Ich erzähle davon, weil heute ein christliches Großelternfest ist: Der Gedenktag von Anna und Joachim. Das sind, der Legende nach, die Großeltern von Jesus mütterlicherseits, also die Eltern von Maria. Von den beiden steht nichts in der Bibel. Aber es gibt außerbiblische Texte aus dem zweiten Jahrhundert, da werden sie namentlich erwähnt. Vor allem beschreiben diese Texte das Drama, dass Joachim und Anna lange Zeit kein Kind bekommen, bis es dann doch klappt: Maria kommt zur Welt, die dann später Jesus gebären wird.
In den ersten Jahrhunderten haben Anna und Joachim im Christentum keine große Rolle gespielt. Aber dann: Im Spätmittelalter beginnt eine besondere Verehrung. Und zwar werden Anna, Maria und Jesus zusammen dargestellt als ein Bildnis der Anna zu Dritt, der sogenannten Anna-Selbdritt. Schauen Sie mal in alten Kirchen in Ihrer Gegend – vielleicht finden Sie da so eine Darstellung. Sehr wahrscheinlich ist das am Niederrhein, vor allem in Düren – wo bis nächsten Sonntag noch groß die Anna-Kirmes gefeiert wird. Anna ist dort die Stadtpatronin.
Wie auch immer: Mit der Anna-Selbdritt-Darstellung rücken drei Generationen in den Fokus. Und das, das hat damals damit zu tun, dass die Gesellschaft sich enorm wandelte. Seit dem 15. Jahrhundert ziehen in Europa immer mehr Menschen in die Städte. Und das bringt damals auch Probleme mit sich: In den Städten blühen Handwerk und Handel, aber das zerreißt zum Teil die Familien auf dem Land, weil die Männer auf dem heimischen Hof einfach weg sind. Und genau dagegen steht das Generationenbild der Anna-Selbdritt wie eine Gegenerzählung. Wie eine Erinnerung daran, dass Solidarität und Verbundenheit in einer Familie über die Generationen hinweg wichtig ist – ja, sogar heilig. Klar: Damals wie heute spricht daraus eine Sehnsucht. Aber schon damals galt eben auch: Ein Hoch auf die Großeltern.
[1] Vgl.: https://population-europe.eu/files/documents/pe_dp_24_zwischen-solidaritat-fairness-und-konflikt.pdf S. 33ff.
[2] https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2025/Families-and-Religion-Templeton.shtml
