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Der zauberhafte Aladin
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Kirche in WDR 3 | 05.03.2026 | 07:50 Uhr

Der zauberhafte Aladin

Guten Morgen.
Wir sind mal wieder auf Tour mit Musik. Unser jüngster Sohn, sechzehn, muss zu Hause bleiben – er hat Schule. Von unterwegs sprechen wir immer wieder. Alles läuft gut, sagt er. Dann kommt eine Nachricht. Überraschung. Er hat gerade im Keller Sport gemacht, und als er zurück in die Küche kommt, steht auf dem Küchentisch eine Linsensuppe. Geröstetes Brot dazu. Radieschen. Noch eine Zitrone, um das Ganze aufzupeppen. Ob der ungewöhnlichen Kombination ahnt er, woher das Überraschungsmahl stammt.

Seit ein paar Monaten lebt Aladin über unserem Studio gegenüber von unserem Haus. Da bringen wir sonst Musiker unter. Aber er brauchte die Wohnung dringender, um reinzukommen in das Leben in Deutschland, in den Alltag und das Erlernen der deutschen Sprache, die mittlerweile seine fünfte ist. Natürlich weiß er, dass wir unterwegs sind und unser Sohn allein zu Haus. Mit dem kleinen Abendmahl, der Linsensuppe, will er ihm etwas Gutes tun. Einfach so. Ungefragt, unabgesprochen. Oder in seinen Worten: „Das ist normal.“ Punkt.

Manchmal träume ich, dass dieses Normal überall Wirklichkeit wird – und tatsächlich erlebe ich es oft: Wenn ich in das Wohnheim für Geflüchtete in unserem Ort komme und sich eine Tür öffnet. Gerade wird gegessen und man lädt mich mit einem Lächeln ein: Komm, setz dich, es genug für alle da. Und dann – an den ersten warmen Tagen um Ostern, wenn der Baum im Garten blüht: Da füllen fünfzig Menschen aus aller Herren Länder unser Zuhause und Garten mit Osterfreuden. Sie bringen ihr Lieblingsessen mit, und wir teilen, bis wir alle glücklich und satt sind.

Das neue Normal – es wird sichtbar, wenn mein Supermarkt es wagt, lange Wege mit Menschen zu gehen, denen unsere Sprache und Kultur noch fremd sind. Bis sie ein unverzichtbarer Teil des Teams sind und meinen Supermarkt noch „superer“ machen.

Oder wenn meinen Freunden aus Afghanistan Recht zugesprochen wird, nachdem sie am Bahnhof bedroht werden. Und wenn sie – statt von Rache zu reden – fragen, ob sie der Familie des Angreifers nicht irgendwie helfen können.

Ich träume davon, dass in jeder Stadt ein großes Kunstwerk entsteht – wie in unserem Ort. Alle, die wollen, können mit malen: die Kinder, die Geflüchteten und Rentnerinnen, unser Bürgermeister und unser Bundestagsabgeordneter. Sie malen zusammen bis unser Dorfbild so richtig bunt und lebendig ist und alle sagen, das ist ja wunderschön.

Ich träume, dass wir wieder Weihnachten feiern wie im vergangenen Jahr – mit vielen vollen langen Tischen, der Nikolaus kommt, und wir singen die Weihnachtsbäckerei ebenso wie ein kurdisches Sehnsuchts- und ein russisches Friedenslied, bis mir die Tränen kommen.

Ich träume, dass die Worte der Bibel lebendig werden, wenn wir Fremde behandeln wie Freunde, bis sie uns Bruder und Schwester nennen und unsere Kinder zusammen spielen, weil wir spüren: Wir sind alle Gäste auf dieser Erde – wir sind eine Familie Mensch. (1)

Träumer sagen die einen. Oder Spinner. Und ich sage nein! Genauso ist das alles passiert, hier in meinem Ort. Das ist normal, nur reden und hören wir viel zu wenig davon, weil unsere Welt so verstopft ist von schlechten Nachrichten, dass wir die millionenfachen, alltäglichen Geschichten von Freundlichkeit und Menschlichkeit, kaum noch zu glauben wagen.

Normal ist Linsensuppe mit Radieschen und Zitrone und dass wir in Frieden teilen, würde Aladin sagen. In diesem Sinne: Guten Appetit.

(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5: )
Einen wundervoll normalen Tag mit zauberhaften Begegnungen wünschen Ihnen Aladin und Patrick Depuhl, Alpen.


(1) nach Die Bibel, 3.Mose 19,33-34.




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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