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Hörmal | 25.01.2026 | 07:45 Uhr
Den Kirchenraum weiten
Jetzt gerade sind bei mir in der Kirchengemeinde viele etwas aufgeregt: Denn gleich überträgt der WDR einen Gottesdienst live und zwar auf WDR5 und auch auf NDR-Info. Damit ist der Kirchenraum gleich mal um das 100-fache geweitet. Denn in meiner Kirche St. Agnes in Köln finden rund 2.000 Leute ihren Platz – locker – wenn mal alle kommen. Aber über die ganzen Radiowellen feiern so um die 200.000 mit.
Ist schon irgendwie witzig: Wenn man alle Gottesdienste zusammenzählt, die übertragen werden im Radio und Fernsehen – z.B. im ZDF –, dann feiern da sonntags mehr Leute mit, als bei Gottesdiensten vor Ort. Würden wir von der Kirche einfach rechnen, könnten wir sagen: Lasst uns alle Kirchen zumachen, wir übertragen nur noch im Netz, im Fernsehen, im Radio. Das würde uns ne Menge Geld sparen … nicht nur Heizkosten.
Aber: auch wenn ich ja selbst als Rundfunkbeauftragter für diese Gottesdienste mit zuständig bin, die da übertragen werden: Ich halte es da schon sehr mit Franz Meurer, dem Pfarrer aus Köln, der hier bei WDR2 ja an jedem zweiten Freitag spricht. Pfarrer Meurer sagt immer „Gott ist analog, ich auch.“
Und ich feiere gerne vor Ort mit, ganz analog. Für mich macht es einen Unterschied, ob ich einfach das Radio anmache oder ich mich aufraffe an einem Sonntag und mich in eine Kirchenbank setze, die ja nicht immer bequem ist. Ich mag den weiten Kirchenraum, sogar die Kälte, ich mag den Friedensgruß, ich mag es, mich mit Leuten zu verbinden, mit denen ich sonst in der Woche nichts zu tun habe. Besonders im Gesang.
Und auch wenn sonntags auch in der Agneskirche die meisten Bänke leer sind: Die Agneskirche bedeutet den Menschen hier im Viertel viel. Nicht nur denen, die darin beten. Das ganze Viertel ist nach ihr benannt, der Heiligen Agnes.
Deren Namensfest war übrigens am Mittwoch und daher feiert die Agnesgemeinde heute etwas größer. Die Heilige Agnes starb vor 1.300 Jahren in Rom für ihren Glauben. Und sie war lange Zeit die beliebteste weibliche Heilige überhaupt[1] – neben Maria, ist ja klar.
Übrigens: Was Agnes fürs „Agnesveedel“ bedeutet, das haben
wir hier erfahren, als vor 5 Jahren der Rosenmontagszug wegen Corona ausfiel.
Das hat viele Kölnerinnen und Kölner traurig gemacht. Wir wollten damals
zeigen: Agnes lässt Euch nicht im Stich. Und so hatten wir der großen
Agnes-Statue vor der Kirche kurzerhand eine Pappnas aufgesetzt und einen bunten
Mottoschal umgehängt vom Kölner Karneval. Das konnten alle auf dem Platz sehen –
auch mit Sicherheitsabstand. Seitdem machen wir das jedes Jahr. Und wir feiern
seitdem auch einen besonderen Karnevalsgottesdienst, den wir seit dem
Corona-Karneval 2021 immer im Netz übertragen. Weil vor Ort damals nichts ging.
Seitdem feiern wir – auch wieder mit Leuten vor Ort. Zu unserem Karnevalsgottesdienst
Gottesdienst kommen immer die Größen des
Kölner Karnevals: Die „Höhner“ waren schon da, „Bläck Fööss“, „Kasalla“ oder
auch das Urgestein Jupp Sebus. Dann ist immer die Kirche rappelvoll, und auch
im Netz feiern mehrere Tausend mit.
Am übernächsten Montag, 9. Februar, ist es wieder soweit. Dann aber zum vorerst letzten Mal, denn die Agneskirche muss dringend renoviert werden für zwei Jahre. Dann wird auch die Agnesstatue eingerüstet und der Kirchenraum kaum zu besuchen sein. Aber danach – da bin ich mir sicher - wird sich die Agneskirche wieder weiten – schön rausgeputzt und wieder offen für alle.
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Agnes_von_Rom
