Beiträge auf: wdr2
Hörmal | 27.09.2026 | 07:45 Uhr
Nordwärts
Dass der Welttourismustag Ende September liegt, macht ja auf ‘ne Art Sinn. Denn: Das ist vielleicht die beste Zeit, seinen Sommerurlaub zu planen. Meine Frau und ich hatten letztes Jahr erst im Winter gebucht. Und das war vielleicht nicht ganz so schlau. Nicht wegen der Preise, sondern wegen des Wetters. Im Kalten sehnt man sich nach Sonne. Und so wurde es Malta. Zugegeben: eine schöne Insel. Aber im Supersommer auf eine Mittelmeerinsel ohne Bäume zu fahren, war eine sehr heiße Angelegenheit.
Und als wir später unseren Freunden davon erzählten, sagten fast alle, die z.B. in Spanien waren oder Frankreich: Nächstes Jahr buchen wir Skandinavien – Hauptsache: kühl.
Tja, so ist das mit dem Tourismus. Ich kann mir nur denken, wie die Preise im Norden künftig noch mehr anziehen werden. Weil alle Sommerfrische an einem See mit Birken suchen, statt Swimmingpool mit Palmen und…Klimaanlage.
Es geht touristisch also nordwärts. Und witzigerweise gilt das auch in der katholischen Kirche. Pilgern war ja so was wie die Urform des Tourismus. Lange bevor an Touristen überhaupt zu denken war, sind Pilger rumgekommen in der Welt. Die klassischen Pilgerziele, die liegen fast alle im Süden: Lourdes, Fatima, Santiago de Compostela….klar: Rom und Jerusalem, auch. Das sind die „Hotspots“ fürs Pilgern und im Sommer….nun ja….Brutkästen.
Allerdings: Die Routen ändern sich auch beim Pilgern. Kürzlich schwärmte eine Freundin vom Olafweg. Sie war Ende Juni gepilgert von Oslo nach Trondheim, 640 Kilometer durch Norwegen. „6 bis 9 Grad, während in Deutschland alle gegrillt wurden – herrlich!“ Also: Auch Pilgertechnisch geht es mittlerweile öfter nordwärts.
Das gilt übrigens auch für ein besonderes Besuchsprogramm, das eigentlich nicht touristisch ist, sondern eher spirituell: Das Bonifatiuswerk aus Paderborn bietet das nämlich an. Das ist das Hilfswerk, das schon seit über 175 Jahren die Kirchen in der Diaspora unterstützt. Auch in Skandinavien. Diaspora? So nennt man das, wenn eine religiöse Gruppe eine extreme Minderheit ist. In Schweden z.B. sind Katholiken etwa 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Aber: Diese katholische Minderheit ist extrem vital und: wächst! Vor allem wegen der Menschen, die zum Arbeiten oft aus dem Süden kommen, aus katholischen Ländern. Nächstes Jahr bietet also das Bonifatiuswerk ein Austauschprogramm an. Dabei geht es nicht so sehr um die Erholung in schöner Umgebung, sondern ums Lernen voneinander. Wie geht das: Glauben leben über lange Distanzen, als „kleine Herde“? Diese Fragen werden hierzulande immer drängender. Und daher zieht es manche mittlerweile für Kirchenerfahrungen eher Richtung Norden als z.B. nach Rom. Wo gefühlt alles katholisch ist.
Also warum nicht einmal auf den Spuren der Heiligen Birgitta von Schweden wandeln? Die ist zwar 1373 auf dem Rückweg einer Pilgerreise aus Jerusalem in Rom gestorben – aber nicht wegen der Hitze. Ihre letzte Ruhestätte führte sie schließlich zurück in ihre Heimat nach Schweden, genauer nach Vadstena am schönen Vätternsee. In das Kloster, das sie ebenso gegründet hat wie den nach ihr benannten Orden: die Birgitten. Irgendwie eine europäische Touristin – Pilgerin des Mittelalters. Kein Wunder, dass sie heute als Patronin Europas verehrt wird.
