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Kirche in WDR 2 | 05.10.2026 | 05:55 Uhr
Mach was Nettes
Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und heute ist nicht nur Montag. Heute ist auch der Mach-was Nettes-Tag. Hört sich simpel an. Jeden Tag eine gute Tat. So nehmen es sich die Pfadfinder vor. Jeden Tag einem Menschen etwas Gutes tun. Naja, vielleicht ist heute ein Tag, um damit mal anzufangen. Denn das ist gar nicht so einfach. Meine Frau und meinen Hund. Okay. Das ist vielleicht eine einfache Übung. Aber auch den nicht aus seinem Herzen zu werfen, der sich immer bei der Chefin einschleimt? Schwierig.
Mir fällt beim
Nachgrübeln eine Geschichte aus der Bibel ein. Petrus scheint da was auf dem
Herzen zu haben, was ihn nicht loslässt. „Wie oft“, fragt er Jesus, „wie oft
muss ich eigentlich einem anderen Menschen verzeihen?“ Um gleich nachzulegen:
„Ich denke, sieben Mal sollte reichen, oder? Was meinst du?“ Und ich finde
auch: Das klingt nach einem vernünftigen Limit. Aber Jesus
antwortet:
„Nicht sieben Mal. Sondern 7 mal 70 mal.“ Na? Wer kann noch
Kopfrechen? 7x70? Im Grunde bedeutet das ja: „Hör auf zu zählen.“ Das ist der
Moment, in dem es ungemütlich wird, oder? Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie
Petrus ungläubig erstarrt. „Das kann der doch nicht ernst meinen.“
Meint Jesus aber. Und um das plausibel zu machen erzählt er dem Petrus von dem Mann, der seinem König zehntausend Talente schuldet. Eine aberwitzige Summe, damals und heute. Heute wären das Milliarden. Die Kölner Oper ist nichts dagegen. Der Mann kann nicht zahlen. Und der König könnte den damals üblichen Weg gehen und den Schuldner und seine Familie verkaufen. Ende der Sendung. Was macht der König stattdessen? Er streicht die Schuld des Mannes durch. Keine Ratenzahlung, keine Privatinsolvenz, nichts. Stattdessen: Taste Entfernen auf dem Laptop. Die Schuld wird einfach aus dem System gelöscht. Unglaublich, oder?
Man könnte erwarten, dass der Mann mit den Schulden sein Glück nicht fassen kann. Und die ganze Welt umarmen möchte. Tut er aber nicht. Kaum draußen trifft er einen anderen, der ihm hundert Denare schuldet. Ein paar Münzen. Lächerlich. Aber der Mann packt ihn, würgt ihn und verlangt seine paar Kröten zurück.
So sind Menschen: Sie können gerade aus einem warmen Bad von Wohlwollen und Liebe steigen. Und fünf Minuten später wegen drei Euro achtzig vollkommen ausrasten. Das aber ist vielleicht die Pointe der Geschichte: Einem Menschen etwas Gutes tun, was dieser womöglich gar nicht verdient hat, stellt die gewohnte Ordnung auf den Kopf. Es bedeutet: Kein Mensch ist nur identisch mit seinen Fehlern. Ein Mensch besteht doch nicht nur aus dem Schlimmen, was er getan hat. Bemerkenswert in einer Zeit, die nichts vergisst. Stichwort Shitstorm im Internet. Jesus hält dagegen: Gott ist kein Buchhalter und auch kein Shitstormer. Seine Großzügigkeit sprengt unser System.
Gottes Zuneigung ist unvorstellbar größer als meine hartnäckige Fähigkeit, kleinlich zu sein. Gott hält sogar mich für großherziger, als ich selbst es bin. Sind das nicht schöne Aussichten? Ich finde schon.
Und deswegen:
Machen Sie heute etwas Nettes. Sie werden überrascht
sein, wie schön das ist. Und wie gut das tut. Nicht nur an diesem Montagmorgen.
