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Kirche in WDR 2 | 19.01.2026 | 05:55 Uhr
Recht des Stärkeren
Ich hab da mal ne Frage?
Werden Menschen eigentlich mit der Zeit besser? Ich meine: ja, eindeutig. Die Menschheit entwickelt sich, Menschen werden besser.
Also: besser in ihrem Verhalten, meine ich. Bessere Menschen. Ja, genau. Der Satz, den man in irgendwelchen Filmen schon mal gehört hat: „Für dich möchte ich ein besserer Mensch werden.“ So was. Gibt es das?
Bescheuerte rhetorische Frage, ist vielleicht Dein erster Gedanke. Zumal um die Uhrzeit.
Wobei: Der frühe Vogel fängt den Wurm und stellt auch die Weichen für die Stimmung des Tages. Zurück.
Wird die Menschheit besser? Offensichtlich nicht. Ist die spontane Antwort.
Einmal Nachrichten hören genügt. Sudan, Ukraine, ein Amerika, dass sich nimmt, was es will.
Überall scheint sich eine Erfahrung durchzusetzen:
Das Recht des Stärkeren gilt. Zwischen Staaten, genauso wie auf dem Schulhof.
So sei das nun mal. Sagen die jeweils Stärkeren. Von Natur aus.
Also nix mit Entwicklung zum Besseren und so. Sagen die Stärkeren. So ein Quatsch.
Siegermentalität, damit man keine Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss, sage ich. Als könne man nicht entscheiden, zwischen dem Recht des Stärkeren und der Stärke des Rechts, dass die Bewahrung der Würde des Einzelnen zu ihrem Kriterium macht. Als Christ kann ich nicht anders. Ok, Ok. Jetzt mal die Nagelprobe: Wo passiert das denn?
Also, erstmal: Genauso wenig wie früher mehr Lametta war, war früher nichts besser. Auch nichts friedlicher. Im Gegenteil. Die soziale Absicherung war schlechter, die Friedenszeiten kürzer. Zufall? Nein. In den Demokratien haben sich offensichtlich die meisten Menschen dafür entschieden. Und auch heute entscheiden sich Menschen, entscheide ich mich. Für oder gegen die Rechtfertigung von Macht, indem ich von einer Natur des Menschen ausgehe, der man scheinbar haltlos ausgeliefert ist. Oder dafür schon sehr früh am Tag als Christ anzunehmen, wovon Paulus sagt: Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
Und damit eben auch zur Freiheit, Entscheidungen zu treffen: politische und private.
Für die Stärke des Rechts. Für des Schutz des Schwächeren. Für die Würde des Anderen.
Quatsch?
Sag das mal jemandem, der dir hilft.
Die gute Tat geschieht.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
