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Kirche in WDR 4 | 11.04.2026 | 08:55 Uhr
Kinoverkündigung
Der Titel klingt fast beiläufig:
„Als wäre es leicht“. Als ließe sich Nähe einfach herstellen. Oder Verstehen organisieren. "Als wäre es leicht", seit letzter Woche Donnerstag im Kino, erzählt
die Geschichte von Kati und Florian. Sie ist gehörlos, er ist blind. Die beiden lernen sich im Dialoghaus Hamburg kennen. Für Kati ist es Teil ihres Alltags. Für Florian zunächst als Maßnahme vom Amt.
„Sie arbeiten beim St. Pauli Fan-Radio. Warum verdienen Sie da kein Geld?
Warum verdienen Sie da kein Geld?“
„Weil es ein Ehrenamt ist.“
„Ein Ehrenamt?“
„Ja, so wie hier. Also ein Amt. Nur mit Ehre.“
„Sich auf Kosten des Steuerzahlers sich auf die faule Haut zu legen, finden Sie ehrenvoll. Ihre Mails lesen Sie anscheinend auch nicht. Würden Sie ihre Mails lesen, wüssten Sie, dass wir einen Job für Sie gefunden haben.“
Zwischen ihnen entsteht eine Beziehung, die nicht an fehlender Kommunikation scheitert – sondern an ganz gewöhnlichen Fragen von Nähe, Rücksicht und Selbstbestimmung. Kati und Florian finden Wege, sich zu verständigen. Über Apps, über Gebärdensprache, über Berührung.
Das funktioniert. Und genau darin liegt die Stärke – und die Zumutung – dieses
Films. Denn „Als wäre es leicht“ erzählt keine Geschichte
darüber, wie unmöglich diese Liebe ist. Sondern darüber, wie möglich sie ist – und wie kompliziert trotzdem.
„Bor was soll denn das, was machst Du?“
„Ich hör nix. Ich hör kein Loch.“
„Du musst dich konzentrieren.“
„Was soll ich denn machen, ich hör es halt nicht. Dann mach es doch selbst, wenn du es besser weißt!“
„Ihr versteht es echt nicht, oder. Hast du eine Ahnung, wie sie über die Leute reden mit einem Kopfimplantat? Sie über sie lästern? Du bist wie meine Mutter. Es geht um euch sondern um mich. Ich liebe die Gebärdensprache. Ich war mein ganzes Leben lang taub, wieso sollte ich das jetzt ändern?“
Beim Kirchlichen Filmfestival in Recklinghausen hatte ich
die Gelegenheit, die beiden Hauptdarsteller kennenzulernen – Schauspieler, die wirklich gehörlos beziehungsweise blind sind. Sie haben mir erzählt, mit welcher besonderen Freude sie diesen Film gedreht
haben.
Nicht, weil er Probleme ausblendet. Sondern weil er sie ernst nimmt. Weil er zeigt, womit Menschen mit diesen Behinderungen im
Alltag kämpfen müssen: mit Erwartungen, mit gut gemeinter Bevormundung, mit einer Umwelt, die oft
schneller urteilt als zuhört.
Und genau das spiegelt der Film wieder. Die Konflikte entstehen nicht an der Behinderung. Sondern an Familien, an Behörden, an emotionaler Distanz und an der Frage, wie viel Rücksicht Liebe eigentlich verträgt, ohne sich selbst zu verlieren.
„Als wäre es leicht“ ist kein Wohlfühlfilm über Inklusion. Er ist ruhig, manchmal spröde und gerade deshalb ehrlich.
Ein Film, der zeigt: Man kann sich verständigen – und sich trotzdem verfehlen.
