Beiträge auf: wdr4
Sonntagskirche | 27.09.2026 | 08:55 Uhr
Touristin sein
Guten Morgen!
Pünktlich zum Ende der Sommerzeit, wo der Herbst schon vor der Tür steht, der Welttag des Tourismus. Heute.
Ich weiß nicht, wie‘s Ihnen geht, aber bei dem Wort „Tourismus“ wird mir immer schon so ein bisschen unwohl. Ich spreche ja lieber von „Urlaub“ – da klingt in meinem Inneren viel Schönes an: abschalten, raus aus dem Alltag. Das Meer sehen, die Berge. Reisen erweitert meinen Horizont und ziemlich oft auch mein Herz.
Beim Thema Tourismus setze ich gedanklich oft schon das Wörtchen „Massen“ davor, und beim Stichwort Massentourismus denke ich an überfüllte Strände und Läden voller geschmackloser Souvenirs und verdreckte Meere.
Schon allein diese Bandbreite an inneren Bildern sagt mir: Es lohnt sich so ein Tag, an dem wir über den Tourismus nachdenken.
Klar ist ja: Unsere Art des Reisens hat sich verändert. Das, was früher – in der Generation meiner Eltern noch - echt was Besonderes war, das ist heute ganz schnell selbstverständlich. Ein Wochenende in Lissabon, ein Kurztrip nach Mallorca, im Winter nach Thailand – da ist so vieles möglich geworden – also zumindest für die, die es bezahlen können. Ein paar Klicks, und dann sind Flüge, Hotels und Ausflüge gebucht.
Aber mit jeder Reise hinterlasse ich Spuren, das spüren wir mehr und mehr. Massenhaft klimaschädliche Emissionen beim Fliegen. Kreuzfahrtschiffe belasten Meere und Küsten. Beliebte Reiseziele kämpfen mit Wasserknappheit, Müllbergen und überfüllten Innenstädten.
Und nicht nur die Natur leidet. Manche Orte verlieren auch ihre Seele. Einheimische können sich ihre Mieten kaum noch leisten. Altstädte werden auf Insta gehyped als perfekte Selfie-Kulisse.
Die Bibel erzählt von Menschen, die unterwegs sind. Vor allem auch Jesus ist ständig auf Reisen zwischen den Dörfern Galiläas und Judäas.
Aber, ich sag’s mal so: Jesus war nie Tourist. Er ging durch Städte und Dörfer und sah die Menschen. Er blieb stehen. Er hörte zu. Er ließ sich unterbrechen. Ihm ging es um echte Begegnung.
Ich find, das ist eine Haltung, da kann sich der Tourismus etwas abgucken.
Menschen wahrnehmen, statt nur Sehenswürdigkeiten besuchen.
Erinnerungen schaffen, statt nur das Handy draufhalten.
Über Gottes Schöpfung staunen, statt Landschaften zu benutzen und zu verschmutzen.
Es gibt einen schönen Satz im 24. Psalm in der Bibel: Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist.
Meint: Die Erde ist Gottes Schöpfung. Ich darf sie genießen, über ihre Schönheit staunen. Aber in all dem bin und bleibe ich Gast auf Erden.
Und so verhalte ich mich dann auch. Ich gehe respektvoll mit dem Haus um, das mich aufnimmt, ich hinterlasse keinen Schaden, ich nehme nicht mehr, als mir zusteht.
Der Welttag des Tourismus legt mir vor allem die Frage ans Herz: Wie kann ich so unterwegs sein, dass andere Menschen, Tiere und die Natur nicht darunter leiden?
Vielleicht bedeutet nachhaltiges Reisen manchmal, ein Ziel in der Nähe zu suchen. Vielleicht länger an einem Ort zu verweilen. Vielleicht regionale Betriebe zu unterstützen. Vielleicht bewusst auf einen Flug zu verzichten. Ja, das alles.
Vor allem aber bedeutet es, mit offenen Augen unterwegs zu sein.
Die Sommerreisezeit ist jetzt vielleicht vorbei, aber das kann ja ein guter Vorsatz für alle kommenden Urlaube sein.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
