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Mein ist die Rache
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Kirche in WDR 4 | 05.01.2026 | 08:55 Uhr

Mein ist die Rache

Guten Morgen!

Hatten Sie schon mal Rachegedanken?

Vielleicht eine unpassende Frage am frühen Morgen. Aber eine menschliche. Wohl jeder hat schon mal gedacht: Das zahl ich dem heim. Das soll sie mir büßen.

Als zivilisierter Mensch behält man solche Gedanken ja meistens für sich. Und als Christin oder Christ schiebt man sie vielleicht ganz tief nach unten ins Bewusstsein. Rache, Vergeltung – das passt schlecht zur christlichen Sanftmut, zur Nächstenliebe.

Dennoch: Wenn ich ganz ehrlich bin, manchmal, wenn sich jemand besonders fies verhält, spüre ich solche Gefühle in mir.

Auch die Autoren der Bibel haben davon erzählt. Und die ganz Weltgeschichte ist voll von persönlicher Vergeltung und Rachefeldzügen der Völker. Das Ergebnis ist bekannt: eine nicht endende Spirale von Hass, Gewalt und Zerstörung. Das gab es zu biblischen Zeiten wie heute. Doch halt: Einer stellt sich dem entgegen: Mose heißt er. Durch ihn lässt Gott seinem Volk ausrichten: „Die Rache ist mein, ich will vergelten.“ (Die Bibel, 5. Mose 32,35)

Ich verstehe diesen Satz aus der Bibel so: Gott behält sich das alleinige Recht auf Rache vor. Er allein hat die Macht, Unrecht zu vergelten und für Gerechtigkeit zu sorgen. Das heißt: Wer sich selbst rächt, nimmt Gott den notwendigen Raum für Vergeltung. Er maßt sich an, etwas zu tun, was nur Gott zusteht. Er setzt sich an seine Stelle, er spielt Gott.

Als die Gemeinschaft der Hugenotten, evangelische Christen in Frankreich, vor 500 Jahren durch den König blutig verfolgt wurde, gab es nach menschlichem Empfinden unzählige Gründe für Rache. In einer Ballade erzählt der Schweizer Dichter Conrad Ferdinand Meyer von einem besonders drastischen Fall: Ein königlicher Scherge foltert die Frau eines Hugenotten und tötet sie, weil sie das Versteck ihres Mannes nicht verraten will. Später kommt dieser Gewalttäter zufällig in das Haus dessen, dem er die Frau so grausam umgebracht hat. Er ist in seiner Hand und bekommt es mit der Angst. Doch nichts geschieht ihm. Am nächsten Morgen offenbart ihm der Hausherr: „Gemordet hast du teuflisch mir mein Weib! Und lebst! … Mein ist die Rache, redet Gott.“ Der Mann hat die ganze Nacht mit sich gerungen, um seine Frau nicht zu rächen. Um nicht gegen das Gebot Gottes zu verstoßen.

Rache ist keine Lösung. Die Geschichte aus dem 16. Jahrhundert, die Conrad Ferdinand Meyer in seiner Ballade erzählt, ist leider zeitlos aktuell. Täglich berichten die Medien von Grausamkeiten, die nicht weniger schlimm sind.

Das Gebot, Gott die Rache zu überlassen, ist hilfreich und heilsam, auch wenn es oft dem menschlichen Empfinden widerspricht. Es kann die Gewaltspirale unterbrechen.

Und ich bin heilfroh, dass wir Gerichte haben, die Verbrecher zur Rechenschaft ziehen und dass ich darüber hinaus meine gelegentlichen Vergeltungsgedanken ruhig bei dem aufgehoben weiß, der gesagt hat: „Die Rache ist mein.“

(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3-5:)

Alles, was Sie belastet, was vielleicht in Ihnen nagt und Ihnen keine Ruhe lässt – dass Sie das Gott überlassen können, wünscht Ihnen Ihr Andreas Duderstedt aus Lemgo.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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