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Kirche in WDR 5 | 25.03.2026 | 06:55 Uhr
Frühling und Verkündigung
Ave! Beziehungsweise: Guten Morgen! Ob Sie es glauben oder nicht: Bald ist Weihnachten. Genauer: in neun Monaten ist Geburtstermin. Und daher feiern die Christen heute den Beginn dieser besonderen Schwangerschaft. Heute ist das Hochfest Mariä Verkündigung. Und gleichzeitig bricht sich der Frühling Bahn. Seit letztem Freitag auch offiziell nach dem Kalender. Mit dem Frühlingsbeginn sind jetzt schon die ersten Vorboten des Sommers da. Erste grüne Halme auf den braunen Äckern zeigen: die Saat geht auf, und hoffentlich gibt es spätestens im Herbst etwas zu ernten. Frühlingsbeginn ist wie ein Aufatmen und die Ankündigung, dass das Leben weitergeht. Und so passt es doch – nicht nur wegen der Dauer einer Schwangerschaft – dass wenige Tage nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn auch ein himmlischer Vorbote gefeiert wird: Der Engel Gabriel kommt zu Maria und teilt ihr mit, sie soll den Sohn Gottes zur Welt bringen. Und – sie willigt ein. Der Gruß des Engels ist übrigens sehr bekannt und hat es sogar zu einem eigenen Gebet gebracht: das „Ave Maria“, das „Gegrüßet seist du, Maria“.
Egal, ob nun Natur oder christliche Feier: Beide Male wird Leben verheißen. Da grünt uns was. Frühere Generationen haben daher sogar das Fest Mariä Verkündigung direkt mit dem Frühlingsbeginn verbunden und mit Blick auf die Natur fleißig Bauernregeln gereimt. Kostprobe gefällig? „Wenn Maria sich verkündet, Storch und Schwalbe heimwärts findet.“ Oder: „War vor Mariä Verkündung der Nachthimmel hell und klar, bedeutet es ein gutes Wetterjahr.“ Und um es ganz konkret zu machen: „Ist Mariä schön und hell, kommt viel Obst auf alle Fäll’.“[1]
Naja – ob das
alles so stimmt? Für mich klingt das eher etwas voraufklärerisch. Und
angesichts des Klimawandels: Wer weiß, was uns wetterbedingt noch alles
bevorsteht? Wie wichtig ist es da, dass die Landwirte gut gerüstet sind, damit
es am Ende doch noch genug zu ernten gibt. Und selbst dann gilt: Alles haben
wir Menschen nicht in der Hand. – Gott sei Dank! Und das will ja was heißen an
dem Tag, an dem die Christen feiern, dass Maria sich komplett in die Hand einer
schier unglaublichen Zusage gegeben hat: Du wirst ein Kind vom Höchsten
empfangen.
Am Fest Mariä Verkündigung geht der Blick nicht nur nach vorne auf die Geburt Jesu hin. Es gibt auch einen Blick zurück. Zur biblischen Urmutter, quasi. Das wussten schon christliche Theologen im frühen Mittelalter. Und die haben das auch auf einen schönen Reim gebracht: „Ave gab die Kunde aus des Engels Munde, Evas Name wende, uns den Frieden sende.“ Also dreht man den Namen Eva um, dann ist man bei Ave, dem Gruß des Engels Gabriel. Und damit wird kurz und knapp zusammengefasst, warum nach christlicher Vorstellung Jesus in die Welt gekommen ist: Erst das Desaster des Sündenfalls durch das erste Menschenpaar, das Unfriede und Tod in die Welt gebracht hat: Adam und Eva. Und jetzt bringt ein neues Menschenpaar den Frieden und das Leben in die Welt zurück: Maria und Jesus.
Jetzt kann man das auch wieder als voraufklärerisch abtun. Aber dass es Frieden braucht in der Welt und dass wir Menschen es nicht schaffen, diesen Frieden selbst herzustellen, das ist offensichtlich. Daher will ich weiter auf Frieden hoffen, so wie auf den Sommer am Frühlingsbeginn.
Aus Duisburg grüßt Sie Pater Philipp Reichling
[1] Zitiert nach: https://eds.at/glaube-feiern/kirchenjahr/weitere-feiertage-feste/verkuendigung-des-herrn .
