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Kirche in WDR 4 | 20.10.2026 | 08:55 Uhr
Ordnung
Manchmal bin ich echt spießig, finde ich. Ich liebe nämlich aufräumen. Also nicht immer, aber manchmal.
Neulich war der Schuhschrank dran. Alles raus und dann der Check: Nein, die trage ich noch, aber die hab ich noch nie gemocht, sitzen nicht – weg damit, rein in die Tüte für das Sozialcafé um die Ecke. Dann der Hobbyschrank. Stifte sortiert, vertrocknete Farben ausrangiert. Kleine Fläschchen neu aufgestellt, ich sag ja, ich finde mich in solchen Situationen spießig...
An den Kleiderschrank bin ich diesmal nicht gegangen, aber der wartet nur und irgendwann ist Winter.
Jetzt aber ist das Wetter manchmal noch zu schön, um alles drinnen zu räumen. Also raus in den Garten, wenns nicht regnet, hier ist ja immer etwas zu tun. Schnell noch den Busch ein bisschen einkürzen, hier das Beet ein bisschen durchharken und natürlich die Vogeltränken sauber machen und frisches Wasser rein. Freundlich wird mein Harken und Schneiden vom Rotkehlchen beobachtet.
Weniger erfreut guckt mein Mann. „Übernimmst du dich da nicht?“, fragt er mit wirklicher Sorge. Seine Bereitschaft meine Naturaktivitäten zu teilen, hält sich nach einem langen Arbeitstag in Grenzen. Aber bei mir ist dieses Gen irgendwie anders gelagert, ich kann mich wunderbar abreagieren hier im kleinen Gottesgarten.
„Na gut, ich mäh mal den Rasen“, höre ich meinen Mann aus der Ecke vom Garten. Ha, eine Spießigkeit, die wir beide mögen, vor allem wenn sie getan ist. Wir beide lieben es, wenn der Rasen gemäht ist. Dann sieht eine noch so kleine Fläche groß aus und manchmal habe ich das Gefühl, dass Gott von oben runter guckt und lächelt… Ich weiß nur nicht worüber. Freut er sich an dem ordentlichen Rasen oder dass wir beide Menschlein stolz und glücklich vor seiner kleinen grünen Wiese sitzen.
Das mit der Ordnung könnte ich mir fast vorstellen, denn immerhin ist Gott gleich am Anfang der Bibel selbst eine regelrechte „Ordnungskraft“: er sortiert, Tag und. Er weist den Sternen ihren Platz, der Sonne, den Pflanzen, den Tieren, schließlich dem Menschen. Und klar: Dann ist da noch der Garten Eden, den er laut Bibel selbst anlegt…also doch: Gott mag Gärtnern.
Aber im Ernst: gerade in einer so chaotischen Welt wie aktuell hoffe ich auf eine Kraft, die ordentlich den Überblick hat. „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens“, hat der Apostel Paulus mal gesagt. Hey, das passt auch für mich, merke ich gerade: Ordnung macht mich nämlich friedlich….nicht spießig.
