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Kirche in WDR 2 | 08.06.2026 | 05:55 Uhr

Demütig ändern

„Demut ist Anerkennung der Wirklichkeit.“

Höre ich eine Freundin sagen. Und der Satz bleibt hängen.

Ist ja manchmal so. Das einem etwas im Kopf bleibt. Völlig unvermittelt.


Demut ist Anerkennung der Wirklichkeit.

Häh? Was soll das überhaupt mit der Demut?

Es geht doch um Ermutigung für den Tag, um ein „Du kannst das“ für die Ängstlichen und

Trost für die Traurigen. Das ist doch eine evangelische Morgenandacht hier. Da will man doch hören, dass Gott hört und zu mir hält und wirkt. Ja, - schon.

Nur, - wenn es um Gott geht, geht es auch immer um das Fremde, das Unverständliche, das Unveränderbare. Wenn es um Gott geht, geht es auch immer um die Dinge, die ich nicht ändern kann.

Demut ist Anerkennung von Wirklichkeit.

Sagt die Freundin und in meinen Kopf höre ich ein lautes Nein. Nein! Manche Wirklichkeit will ich nicht anerkennen. Da muss man nicht demütig sein, sondern aufstehen und kämpfen. Ja, - stimmt. Es geht mir jetzt aber um die Dinge, die ich nicht oder nicht mehr ändern kann. Ich kann niemanden mehr lebendig machen, ich kann keine Sekunde zurückholen. Das heißt mein Leben, konkret diesen Morgen, zu leben unter seinen Bedingungen. Das Leben ist, wie es ist, nicht wie ich es gerne hätte. Klar ist das eine Binsenwahrheit, jedoch zugleich die Voraussetzung, um etwas zu ändern, zu gestalten. Nämlich das, was ich ändern kann, nicht das, was nicht zu ändern ist.


Und natürlich ist das leicht gesagt und schwer gefühlt. Und natürlich ist das auch nicht immer direkt und offensichtlich zu unterscheiden. Anzuerkennen, dass es das gibt – Dinge, die ich nicht ändern kann - und zwar nicht nur in der Welt – sondern in meinem Leben,


ist ein Ausdruck von Demut. Der Haltung, die anerkennt, dass ich nicht Gott bin und mich gleichzeitig auffordert, als Geschöpf Gottes alles zum Guten für mich und andere zu ändern.


Keiner hat gesagt, dass das leicht ist. Wer loslässt hat beide Hände frei. Etwas zu tun oder nicht zu tun. Eine Hand zu reichen oder nicht zu reichen. Ok. Im richtigen Leben kann oder will ich manchmal nicht loslassen. Was ich kann ist: Gott darum zu bitten, dass Gott tut, was ich nicht kann oder noch nicht einmal will.

Klingt unlogisch. Genau. So ist das Leben. Gott bitten, weil ich nicht Gott bin. Das reicht!



Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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