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Kirche in WDR 4 | 27.10.2026 | 08:55 Uhr
Wer bin ich?
Guten Morgen.
„Lieber Herr Müller“, sagt die Personalchefin im Bewerbungsgespräch, „was ist Ihrer Meinung nach Ihre größte Stärke?“ Darauf Herr Müller: „Ich bin hartnäckig.“ - „Ok“, antwortet die Personalerin, „wir melden uns bei Ihnen“. Darauf Herr Müller: „Vielen Dank, ich warte hier.“
Ist
das nicht schön, wenn man sich selbst so gut kennt – und sich dann auch noch
traut, es auszusprechen? Aber mal ehrlich: Manchmal weiß ich kaum, wer ich bin und
was ich kann und möchte.
Da gibt’s Pflichten, die mir sagen, was ich tun muss: 1.000 Handgriffe, und oft
dieselben. Da sind die vielen Bilder und Videos der Influencer, die mir sagen,
wie ich aussehen soll – nämlich gut – und was ich kaufen soll. Und da sind
diese mächtigen Veränderungen, die mir jeden Tag neu sagen: „Du musst Dich auch
verändern!“ Ja, genau. Nur wie und wohin, das muss ich selbst herausfinden.
Und so machen sich sehr viele Menschen auf den Weg zu sich selbst. Sie reisen, buchen Coachings oder wechseln den Job, die Wohnung, ihre Beziehung, sogar die Familie.
Das kann man alles machen. Oft tut das gut. Aber das alles ist außen.
Meiner Erfahrung nach bringt es wenig, wenn ich nicht den Mut finde, nach innen zu schauen. Und dabei alles an die Seite zu legen, was ich sein möchte. Alles, was ein Bild für andere erzeugen soll. Alles, was nach außen wirken soll. Also das Aussehen, die Mode, die Erfolge im Beruf, im Sport, in der Kunst oder sonst wo. Dann der Stolz auf die Familie, die Kinder oder das Haustier. Die lange Liste der besuchten Reiseziele, das Bankkonto, das Haus, das Boot und das Auto und am Ende alles, wovon man ein Fan ist. Kurz: Alles, was nicht da ist, wenn man allein in den Operationssaal gefahren wird.
Wenn Sie jetzt einen kleinen Widerstand spüren – ich spüre den auch. Denn das ist nicht angenehm. Im Gegenteil: Es braucht sehr viel Mut, sich darauf einzulassen. Wenn Sie sich fragen: „Was bleibt denn ohne meinen Verein von mir? Ohne meinen Job? Ohne meine vielen Freunde?“ Dann sage ich Ihnen: Das habe ich mich auch schon hundertmal gefragt. Ich wage eine Antwort: Es bleibt etwas, das es wert ist, geliebt zu werden. Nicht wegen des Erfolgs oder der charmanten Worte oder immer guter Laune. Sondern einfach so.
Das ist der Blick, den Gott auf mich hat. Und das habe ich mir nicht ausgedacht, ich habe es mir sagen lassen von einem Text in der Bibel: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“, heißt es da. (Die Bibel, 1. Samuel 26,7) Mich selbst innen anzuschauen, braucht sehr viel Mut. Denn die Sorge ist oft: Ich kann da auch vieles entdecken, das ich mir lieber nicht anschauen möchte. Aber mit Gott zusammen geht es. Ein Fremdenführer in die eigene Seele – das kann er sein.
Wenn ich erst einmal weiß, wer ich bin, wird vieles sehr einfach. Welche Menschen ich um mich brauche. Welche Eigenschaften ich mir eigentlich gar nicht abtrainieren lassen möchte. Was wirklich wichtig ist. So sortiert sich eine Frage nach der anderen.
Sie müssen mir das nicht glauben, denn ich bin auch nur eine weitere Stimme, die Ihnen sagt, wie es im Leben laufen soll. Aber vielleicht probieren Sie es einfach mal aus.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Ihr Matthias Kleiböhmer aus Unna.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
