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Kirche in WDR 3 | 16.03.2026 | 07:50 Uhr
Seifenblasen
Guten Morgen!
Ich laufe über die Domplatte in Köln. Ein Straßenkünstler zaubert Seifenblasen in die Luft – kleine, große und riesige. Kinder laufen ihnen quiekend hinterher, wollen sie berühren und einfangen. Fasziniert von diesen schillernden Gebilden, bleibe ich stehen und schaue ihnen nach, wie sie in allen Regenbogenfarben dem Sonnenlicht entgegen schweben.
Manchmal wäre ich auch gerne so eine Seifenblase, denke ich. Leicht. Luftig. Glänzend.
Einfach nur davonschweben über all dem, was das Leben gerade beschwert.
Sprecher: "Die schwersten Dinge sind so leicht wie Seifenblasen." (1)
Autorin: hat der Dichter Christian Morgenstern einmal gesagt. Gerade das Schwerste kann eine paradoxe Leichtigkeit besitzen, wenn man die richtige Perspektive darauf findet.
Die Seifenblase als Bild ist dafür besonders treffend: Sie ist zerbrechlich – und doch so schillernd schön. Vielleicht hat der Dichter Recht: Die schwersten Dinge des Lebens gewinnen gerade, weil sie vergänglich sind, eine eigentümliche Leichtigkeit.
Und vielleicht liegt genau darin auch eine Wahrheit: Dass wir nicht immer stark sein müssen, nicht immer durchhalten
Sprecher: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken.“ (Matthäus 11,28, Basisbibel)
Autorin: …lädt Jesus mich ein. Er verspricht damit nicht, dass die Last verschwindet und sich alles Schwere plötzlich nur noch leicht anfühlt. Aber er gibt das Versprechen, dass wir sie nicht allein tragen müssen.
Aber dann – auch das gehört zur Wahrheit einer Seifenblase. Sie zerplatzt. Wie oft habe ich mir etwas erträumt, eine Vision gehabt, einer Sehnsucht nachgehangen – und dann zerplatzt sie. Die Freundschaft, in die ich so viel Hoffnung gelegt habe. Berufliche Pläne, die gerade nicht aufgehen. Der Wunsch nach Frieden, von dem die Welt so weit entfernt ist.
Auch das lehrt mich die Seifenblase. Leichtes und Zerbrechliches gehören zusammen.
Ich darf die schönen Momente genießen, gerade weil sie vergänglich sind.
Ich kann mir Visionen und Sehnsüchte erlauben, auch wenn sie wieder zerplatzen.
Denn die Alternative wäre doch, gar nicht mehr zu träumen. Gar nicht mehr zu hoffen.
Als eines der Kinder traurig wird, weil eine Seifenblase an seiner Jacke zerplatzt, da sagt die Mutter:
Sprecher: „Macht doch nichts. Schau, da kommen doch schon neue."
Autorin: Und tatsächlich: Der Seifenbläser lässt schon die nächsten aufsteigen.
Vielleicht ist das unsere Aufgabe: Immer wieder neue Seifenblasen steigen zu lassen und Momente der Leichtigkeit zu suchen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute Seifenblasen für Ihren Tag. Das Staunen über etwas Schönes. Das Lächeln über Unerwartetes. Und wenn sie zerplatzen, den Mut, neue aufsteigen zu lassen.
(Ende WDR 4 und Verabschiedung WDR 3 und WDR 5)
Pfarrerin Christiane Neufang aus Köln.
Quellen:
(1) Christian Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und
Tagebuchnotizen. München: Piper, Seite
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
