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Sonntagskirche | 05.07.2026 | 08:55 Uhr
Kaffeebaum
Guten Morgen!
Manchmal muss ich mich auf den Weg machen.
Einfach so.
Kopf frei kriegen.
„Ich gehe jetzt mal in die Irre“, sage ich dann im Büro und laufe mit Wasserflasche und in Wanderstiefeln los. Ohne Plan.
Oder: Verlaufen ist der Plan.
Augen und Ohren auf für die Welt und Gottes Schöpfung.
Der Ort heißt Wallefeld.
Wallefeld im Oberbergischen. Hinter den Orten Apfelbaum und Birnbaum.
Kein Witz. Die heißen wirklich so.
In Wallefeld gibt es nicht viel: ein Bauernhof, ein kleines Schwimmbad, dessen Wasser sich aus einer der vielen Quellen im Oberbergischen speist.
Leute wohnen hier; einige Familien haben gerade gebaut. Zwei Autos vor der Tür.
Die Wege sind weit, da braucht es zwei Autos.
Ein Schlachter, eine Hauptstraße, ein Friedhof, ein Fluss.
Eher ein Bach.
Von denen gibt es viele hier im Oberbergischen.
Dicke Linden stehen am Bach.
Bei einem der großen, beeindruckenden Bäume ist der Stamm gespalten. Der eine Teil wächst waagerecht über den Bach.
In guter Kletterhöhe.
Da kann man die Beine über dem Bach baumeln lassen und dem Wasser beim Fließen zuschauen.
Ein Hund kommt mit seinem Frauchen vorbei und die sagt: Das ist der Kaffeebaum.
Ein Kaffeebaum?, frage ich.
Und dann erzählt sie von der Familie in dem Fachwerkhaus nebenan.
Ich glaube, das muss so vor hundert Jahren gewesen sein.
Die Menschen haben hart gearbeitet: Forstwirtschaft, Sägewerk oder so.
Und konnten sich dann das schöne Haus bauen.
Nachmittags gab es Kaffee.
Sonntags auch Waffeln dazu.
Den Kaffee aus der Dröppelminna. Das ist eine Kaffeekanne, die ständig etwas tropft. Sie ist ein Wahrzeichen für das Oberbergische.
Die Familie breitete eine weiße Tischdecke auf dem waagerechten Lindenstamm aus und dann wurde hier im Baum Pause gemacht.
Die Beine baumelten über dem Bach und man schaute dem Wasser beim Fließen zu.
Das Frauchen erzählt, was es über den Kaffeebaum zu erzählen gibt.
Der Hund will weiter.
Also trennen wir uns.
Der Bach fließt weiter und speist das Schwimmbad mit seinem Wasser.
Die alte Linde schüttelt ihre Blätter im Wind.
Was sie wohl gehört haben mag?
Von den Menschen, die unter ihrem Blätterdach Kaffee getrunken haben?
Eine Pause im Kaffeebaum.
Und dabei bespricht man das, was dran ist:
Was mit den Kindern ist.
Oder wie hoch die Rechnung vom Bäcker war.
Ob das Holz einen guten Preis bringt.
Alltägliche Pausengespräche.
Dazwischen ein „Gottseidank“ oder ein bittender Blick in den Himmel.
Kleine Kaffee-Pausen-Stoßgebete vielleicht.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute Zeit für Pausen haben.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
