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Hörmal | 01.11.2026 | 07:45 Uhr
Allerheiligen - das Gute suchen
An diesem Sonntag ist Allerheiligen. Eines der besonderen Feste in der Katholischen Kirche. Wie der Titel schon sagt: „Alle Heiligen“ spielen heute eine Rolle. An die wird heute gedacht. Und ich denke heute zuerst an eine besondere Kirche in Rom: das Pantheon. Ein architektonisches Wunder. 1.900 Jahre alt. Es ist der bedeutendste römische Tempel, der aus der Antike noch erhalten ist. Und: Dieser Bau hat mit dem heutigen Fest zu tun. Seit meiner Zeit als Theologiestudent in Rom hat mich das Pantheon fasziniert: seine riesige Kuppel – einzigartig. In den Innenraum passt eine Kugel mit einem Durchmesser von über 43 Metern hinein. Und im Dach ist ein knapp neun Meter großes, kreisrundes Loch, durch das die Sonne scheint und der Regen fällt. So etwas zu bauen, das war eine Meisterleistung der Römer und löst bis heute Bewunderung aus – nicht nur bei mir, sondern bei hunderttausenden Touristen, die Jahr für Jahr nach Rom kommen.
Der Name „Pantheon“ war damals Programm: Denn der Tempel war allen Göttern geweiht. Also römische Götter – da gab es ja viele. Dieser heidnische Tempel wurde dann aber im Jahr 609 vom römischen Kaiser dem Papst in Rom überlassen. Und der machte daraus eine Kirche, die nicht mehr allen Göttern geweiht war – Christen kennen ja nur einen Gott. Aber der damalige Papst nutzte einen kleinen Trick. Er weihte sie Maria und allen Märtyrern, also allen Heiligen. Vorher wie nachher war dabei wichtig: Niemand sollte vergessen, und es sollte an alle gedacht werden, eben alle Götter, früher – alle Heiligen, bis heute.
Nun, weil ich, wie gesagt, in Rom studiert habe und mich für Kirchengeschichte interessiere, bin ich dann irgendwann auf eine Legende gestoßen. Die stammt aus dem Mittelalter. Und die fand ich sofort spannend. Denn die Legende berichtet nicht nur darüber, wie es zu dem Fest gekommen ist, sondern wie dieser Bau entstehen konnte. Da wird berichtet: Als die Bauleute des Pantheons schon die kreisrunden Mauern errichtet haben, bekommen sie große Sorgen: Wie soll man diesen riesigen kreisrunden Zylinder nun mit einer Kuppel überspannen? Und wie soll dabei auch noch ein Loch in der Mitte frei bleiben? Da haben sie eine clevere Idee: Sie füllen den Innenraum mit Erde auf, um darüber dann die Kuppel zu bauen. Noch clevererer ist die Idee, wie die ganze Erde da rasch wieder rauskommt: Die Baumeister sollen Goldmünzen in den Raum geworfen haben, zusammen mit der Erde. Als die Kuppel endlich fertig ist, versprechen sie: Jeder, der dabei mithilft, die Erde aus dem Pantheon herauszubringen, darf die Goldmünzen behalten, die er dabei findet. Kaum versprochen, wurde das Pantheon schnell von der Erde freigeräumt, so die Legende.
Nun kann ich schmunzeln über die Klugheit der Bauleute. Aber – ich verbinde damit noch etwas anderes, etwas Tiefsinniges: Im noch so großen Dreckberg lässt sich Gold finden. Wie wäre es also beim Pantheon nicht bloß an alle Heiligen zu denken, sondern einmal anders zu schauen und zu suchen? Jeder Mensch könnte doch auch ein Heiliger sein oder zumindest etwas Besonderes, etwas Heiliges, etwas Gutes an sich haben. Jeder Mensch ist „goldig“, wenn man so will. Warum also nicht einmal auf die Suche gehen nach dem Guten in jedem Menschen, mag er mir auch wenig sympathisch sein. Allerheiligen würde dann auf einmal eine neue Bedeutung bekommen: Man denkt nicht an all die großen Heiligen, sondern an all das Heilige, von dem etwas in jedem Menschen zu finden ist.
