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Kirche in WDR 5 | 18.08.2026 | 06:55 Uhr
Grün aus Asche
Guten Morgen.
Vor einigen Jahren war ich auf Korsika im Urlaub. Nur am
Strand rumliegen ist nichts für mich, also habe ich auch einige Wanderungen
unternommen. Eine davon führt mich über karge Felder am Rand von schroffen
Hügeln. Auf den Feldern hatte es vor kurzem gebrannt. Fasziniert sehe ich junge
grüne Blätter. Gerade dort, wo eine Pflanze nur noch verkohlt aus dem Boden
ragt, genau dort sprießt wieder frisches neues Grün. Ein wildes „Trotzdem“ scheinen
mir die grünen Blätter entgegenzurufen; „jetzt erst recht!“
Als ich weiter darüber nachdenke, kommt mir ein Gedanke. Ist das, was ich hier sehe,
nicht ein Bild für mein Leben? Manchmal geschieht so etwas wie ein Feuer, ein
Brand. Da fegt eine Gewalt durch meinen Alltag, da gehen Dinge kaputt, da
rächen sich früher begangene Fehler, ein geliebter Mensch ist gestorben, Lebensträume
zerplatzen. Nach so einem Feuer fühlt man sich am Boden zerstört, ausgebrannt.
Ich denke, so eine Erfahrung haben schon viele gemacht, mal stärker, mal
schwächer.
Auf diesen Feldern von Korsika habe ich Hoffnung gesehen. Was gerade noch wie tot erschien, war der Punkt für frisches Grün. Gerade an den schlimmsten Stellen wuchs wieder neues Leben.
Wenn ich so einen Punkt in meinem Leben nennen will, dann ist es das Zerbrechen meiner Ehe. Damals habe ich mich von meiner Frau getrennt, habe sie und unsere drei erwachsenen Kinder enttäuscht, verletzt und verlassen. Ich erlebte es wirklich wie ein Feuer, dass erst langsam begann und dann wütete. Vor und nach der Trennung verbrannten so viele Dinge: die Liebe, das Vertrauen, die Beziehung zu den Menschen, die meinem Herzen doch einmal so nah waren. Ich hatte nicht nur verbrannte Erde hinterlassen, sondern fühlte mich selbst wie verbrannte Erde, schuldig und leer.
Nun, einige Jahre danach, im Rückblick erkenne ich, dass Neues gewachsen ist. Dass ich aus Fehlern gelernt habe. Dass Schuld vergeben wurde. Dass ich neue Menschen getroffen habe. Und dass ich auch neu lieben darf. Die Beziehung zu meinen Kindern ist mehrheitlich auf einer neuen guten Ebene angekommen.
Ich habe in der Bibel einen wunderschönen Text dazu gefunden. Er hat mich vor allem nach der Trennung begleitet: „Das geknickte Schilfrohr zerbricht er nicht, ….“ (1) Der Prophet Jesaja spricht hier von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Der, der in die Welt gekommen ist, um Gottes Wesen zu zeigen. Und hier wird deutlich: Wer „angeknackst“ ist, wird von Gott nicht abgerissen, nicht noch weiter niedergemacht. Sondern Gott verbindet den Bruch. Gott hilft uns beim Heilungsprozess.
Er schenkt Hoffnung auf einen neuen Anfang. Er schenkt neue Kraft für ein neues Leben. So ist Gott, und so hat er sich in Jesus gezeigt.
Das mag klein anfangen, so wie die kleinen Pflanzen, die aus verbrannter Erde wachsen.
So wünsche ich allen, die sich gerade wie ein geknicktes Schilfrohr
fühlen, die Hoffnung, dass sie sich wieder aufrichten werden und wachsen. Mit
Gottes Hilfe.
Ihr Pastor Heddo Knieper aus Hamm.
Quellen:
(1)
Jesaja 42,3; Gute
Nachricht Bibel, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
