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Kirche in 1Live | 20.04.2026 | floatend Uhr
Doppelgänger:innen
Du bist im Urlaub – sagen wir mal in New York – und auf einmal läuft da jemand auf dich zu und du denkst: „Warte mal. Den kenn‘ ich doch! Ist das nicht…?“ Und dann kommste noch ‘n Stück näher und merkst: „Nö. Das ist ein total Fremder.“ Ich hab‘ mal gelesen, dass das Gehirn das absichtlich macht. In unbekannten Umgebungen sucht es automatisch nach vertrauten Gesichtern – einfach um sich sicherer zu fühlen. Es erfindet zur Beruhigung Doppelgänger, wo gar keine sind.
Heute ist der Tag der Doppelgänger:innen. Und ich muss gestehen: Ich habe selbst eine. Nicht so eine, die dir jetzt auf der Straße begegnen kann in einer fremden Stadt. Sondern so eine innere Doppelgängerin.
Früher in der Schule gab es bei mir oft diese Momente, wo ich einfach mitgelacht habe – obwohl ich den Witz gar nicht kapiert habe. Oder wenn ich die Hand gehoben habe obwohl ich die Antwort gar nicht wusste – nur weil alle anderen sich auch gemeldet hatten. Oder umgekehrt: Ich wusste die richtige Antwort, aber melden? Bloß nicht, ich wollte nicht als Streberin gelten. Meine Doppelgängerin habe ich ständig vorgeschickt. Die Version von mir, die einfach dazugehören wollte und super angepasst war.
Im Christentum gibt’s diese ziemlich verrückte Idee, dass Gott uns alle hundertprozentig kennt. Nicht die angepassten Doppelgänger-Versionen, sondern uns selbst. So wie wir wirklich sind – unangepasst und auch mit allen Macken, die wir manchmal lieber verstecken. Und dass Gott uns trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – ziemlich gut leiden kann.
Ela Kornek, Havixbeck
