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Kirche in WDR 2 | 05.09.2026 | 05:55 Uhr
2026 – das Franziskus Jahr
Schon mal gehört – von Franz von Assisi? Von dem Bettelmönch aus 12. Jahrhundert.
Er sagt: „Wenn jeder einzelne darauf verzichtet, Besitz anzuhäufen, werden alle genug haben.“ Was für ein Satz! Wer das war? Dieser Franz? Ein Heiliger. Begründer des Franziskaner Ordens. Seit 900 Jahren tot. Und immer noch aktuell.
Geboren wird er 1181 oder 82 in Assisi – Italien. Sein Vater ist Tuchhändler - ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er nennt seinen Sohn Francesco und will, dass er sein Nachfolger wird. Doch Franziskus hat andere Pläne. Er zieht in den Krieg gegen Perugia, gerät in Gefangenschaft und kommt nach einem Jahr frei. Wird krank, durchlebt eine Krise und zieht in die Einsamkeit der Natur. Dort begibt er sich auf die Suche nach Gott. Und findet ihn.
Was dann passiert ist kaum zu glauben. In kurzer Zeit - innerhalb weniger Jahre gründet er einen Bettelorden, der enormen Zulauf hat. 5.000 Brüder nehmen bereits an der ersten Ordensversammlung teil (1221). Und: Der Orden der Franziskaner wird in Rom (sehr) schnell anerkannt. Kein Wunder. Für Papst Innozenz III. ist es gut, dass die vielen Armen in die reiche Kirche integriert werden, statt sich gegen sie aufzulehnen. Der Orden gewinnt in Italien immer mehr Anhänger, bald auch in ganz Europa. Als Franz am 3. Oktober 1226 – also vor 900 Jahren - im Alter von 45 Jahren stirbt, hat er die Welt verändert.
Und heute? Papst Leo XIV hat ein Franziskus Jahr ausgerufen. Bereits 400.000 Pilger sind im Frühjahr nach Assisi gekommen, um die Gebeine des heiligen Franz zu bestaunen. Und im Oktober wird das Weltfriedenstreffen in Assisi stattfinden. Papst Leo XIV wird erneut über die seligmachende Armut predigen.
Die Botschaft ist unmissverständlich und politisch brisant. In einer Zeit, in der neukatholische Milliardäre in den USA den Glauben neu definieren wollen.
In einer Zeit, in der immer mehr Menschen (in den reichen Ländern dieser Welt) fragen: Was gibt meinem Leben eigentlich einen Sinn. Die Orientierung an Franz von Assisi kann eine Antwort sein. Er sagt: „Der Weg zu Gott kann niemals am Menschen vorbeiführen."
Wenn jeder einzelne darauf verzichtet, Besitz anzuhäufen, werden alle genug haben.
Und: Tue den Mund auf für die Stummen und führe die Sache derer, die verlassen sind.
Denn: So viel ein Mensch vor Gott ist, so viel ist er wirklich, mehr ist er nicht.
Franz von Assisi – immer noch aktuell – auch nach 900 Jahren.
Quellen: Volker Leppin: Franziskus von Assisi, WBG Theiss, 2018
Alexander Cammann: Lob des schönen, einfachen Lebens, in: DIE ZEIT vom 6. August 2026
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
