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Kirche in 1Live | 04.07.2026 | floatend Uhr
Happy Birthday, USA!
Mein erstes Mal in New York – und an jeder Ecke sehe ich Sachen, die ich irgendwoher kenne: Da der Straßenname aus einer Serie, hinter der nächsten Ecke spielt eine berühmte Filmszene. An der Wand glänzt das Logo eines Sportteams, für das ich mir schon Nächte um die Ohren geschlagen habe. Mir wird klar: Diese Stadt kannte ich schon, bevor ich je hier war. Die USA insgesamt haben meine Welt mitgeprägt, lange bevor ich dort aufgetaucht bin.
So ein bisschen wie ein großer Bruder. Der die coolen Sachen immer schon ein bisschen früher hatte und ein bisschen mehr durfte. Von dem man sich was abgeschaut hat. Die USA waren so ne Art großer Bruder für Europa, spätestens seit sie uns 1945 mitbefreit haben. Ein bisschen bewundere ich sie immer noch dafür, dass sie soviel voran gebracht haben.
Heute, am 4. Juli, werden die USA 250 Jahre alt. Aber ich merke: Gratulieren fällt mir nicht ganz leicht. Nicht weil ich die Zuneigung verloren hätte. Wie viele Europäer merke ich gerade: In vielem sind wir nicht mehr einer Meinung. Ist doch bei Geschwistern oft genauso, auch der große Bruder wird irgendwann alt. Vielleicht auch ein bisschen weird. Bei den USA sehe ich gerade viel mehr die Schattenseiten, all die Kriege und die Ausbeutung, die auch zu ihrer Geschichte dazugehört. Vielleicht ist das bei Geschwistern so, wenn beide erwachsen sind. Ein bisschen von der alten Rolle ist noch da, aber jeder geht seinen eigenen Weg und das Verhältnis ändert sich.
Ich gratuliere trotzdem. Mit echter Zuneigung und einer Portion Nostalgie. Und mit der Hoffnung, dass wir das irgendwie hinkriegen. Es wird bestimmt nicht mehr wie früher, aber wenn wir auf Augenhöhe gut miteinander sprechen können, wäre das doch auch schon was.
Christian Schröder, Aachen
