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Kirche in WDR 2 | 26.08.2026 | 05:55 Uhr
Auf den Hund kommen
Auf den Hund bin ich noch immer nicht gekommen. Dabei war das mein fester Vorsatz, als ich vor knapp zehn Jahren meine Wohnung gesucht hatte: „Ich ziehe nur in eine Wohnung, in der ich einen Hund halten darf!“ Auch mit dem neuen Chef war alles geklärt: Hund am Arbeitsplatz war kein Problem. Was konnte mich jetzt noch hindern?
Schon als Kind war ein Hund mein größter Wunsch. Und fast war es damals soweit: Im Tierheim waren Dackelwelpen geboren. Ich war so neun Jahre alt und hatte alles gegeben, damit wir einen Welpen aufnehmen: Innige Schwüre, immer mit ihm Gassi zu gehen, gepaart mit meinem Versuch von einem Dackelblick. Kurz waren meine Eltern eingeknickt. Aber wenige Stunden später war klar: Leider doch nicht, ein Hund passt nicht in unser Leben.
Dann halt später! Die Neunjährige Michaela war sich sicher: Irgendwann klappt das mit dem Hund. Und genau da habe ich angeknüpft, als ich von Münster nach Nottuln gezogen war, wegen der neuen Stelle: Jetzt komm ich auf den Hund!
Eine Hürde hatte ich mir noch gesetzt: Drei Monate mal gucken, an wie vielen Tagen es schwierig ist, dieses Leben als berufstätiger Single mit Hund. Was soll ich sagen: Wenige Wochen später war es mir klar, wie damals meinen Eltern: „Ein Hund passt nicht in Dein Leben“. Ein Hund braucht täglich Bewegung, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit. Dem könnte ich an vielen Tagen nicht gerecht werden.
Das mir einzugestehen war zwar schlüssig, aber auch echt ernüchternd. Denn sind das nicht genau die Gründe, warum so viele Menschen sich ein Leben mit Hund wünschen? Hunde geben uns Gelegenheit, mehr von dem zu leben, was uns guttut. Draußen sein, rumalbern, ausflippen vor Freude, wenn man jemanden sieht, den man mag, immer wieder loskraulen und überhaupt: man kann einfach beieinander sein, ohne etwas leisten zu müssen. All das macht ein Leben mit Hund aus. Und all das tut ja nicht nur den Vierbeinern gut. Eigentlich sollte das in jedes Menschenleben gehören. Hunde sind mit ihrer Art zu leben eigentlich Anwälte unserer eigenen Bedürfnisse.
Der Philosoph Arthur Schopenhauer geht sogar noch weiter. Er soll gesagt haben: „Wer nie einen Hund gehabt hat, weiß nicht, was Lieben und Geliebtwerden heißt“. Schopenhauer lebte mit Pudeln und gilt als ein echter Kritiker der Menschheit an sich. Für ihn waren Hunde die Möglichkeit, sich von der endlosen Verstellung und Heimtücke der Menschen zu erholen. Und es ist ja so: Hunde sind immer ehrlich. Immer echt. Ihr Dackelblick ist nie aufgesetzt. Darum rührt er uns so.
Und deshalb glaube ich, dass nicht jeder Mensch auf den Hund kommen muss, aber jedes Menschenleben so sein müsste, dass ein Hund darin Platz hätte. Sprich: Dass jedes Menschenleben Raum hat für unbändiges Freuen und Toben, für Echtheit und bedingungslose Liebe. Für Grundbedürfnisse eben – ob Hund, ob Mensch.
