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Am Meer
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Kirche in WDR 2 | 02.09.2026 | 05:55 Uhr

Am Meer

Guten Morgen, heute ist der erste Schultag in NRW. Die Ferien sind vorbei. Bin ich erholt? Ich weiß es nicht genau. Der Alltag, all die Pflichten/Verpflichtungen und Probleme sind schnell wieder präsent, sehr präsent. Oder anders gefragt. Gab es im Urlaub Augenblicke, Orte, an denen ich echt durchgeatmet habe, innerlich zur Ruhe gekommen bin?

Ja, am Meer. Ich habe das große Glück erleben dürfen ganz am Ende vom Jakobsweg im Westen Spaniens – noch hinter Santiago de Compostella – anzukommen. Fisterra, zu Deutsch „Ende der Welt“.

Ich stehe da an der Steilküste auf den Klippen. Ein Leuchtturm hinter mir und schaue auf`s endlos, tiefblaue Meer. Die Menschen haben jahrhundertelang gedacht: Hier ist die bewohnte Erde zu Ende. Fisterra eben.

Weite tut der Seele gut, so gut. Ein Pilger hat hier mit Kreide Psalm 36 auf den Felsen geschrieben. „Gott, deine Güte reicht so weit, der Himmel geht, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“ (Ps 36,6)

Das passt. Die Stille, nur ein paar Möwen kreischen und unten schlägt die Gischt an Land. Ich atme tief ein und aus. Ich spüre den Seewind. Und ich spüre wie einzigartig und kostbar das Leben ist.
Und wie klein am Ende doch viele meiner vermeintlich riesigen Probleme, die zuletzt mein Kopfkino immer wieder geflutet haben. Das Leben kann auch leichter sein.

„Deine Wahrheit geht, soweit die Wolken gehen.“ Ich bin eben nur ein kleiner Teil im großen kosmischen Gefüge. Ein ganz wichtiger, klar, wie jeder Mensch, aber eben nur ein Teil des großen Ganzen und das mit begrenzter Übersicht.

Das ist eine wohltuende Erinnerung am Ende eines Pilgerwegs. Und auch eine wohltuende Erfahrung in einer Welt, in einer Gesellschaft, in der jeder gerade berufen scheint, seinen eigenen Kosmos zum Maßstab aller Dinge zu machen. In der großen Politik wie auch im persönlichen Umfeld, der Familie, im Freundeskreis und auch am Arbeitsplatz.

Und da – genau da - bin ich ab heute wieder. Nicht mehr am Meer, sondern mitten im Leben. Die Ferien sind vorbei. Aber ich möchte mir diesen Blick bewahren. Mit dem Blick auf`s Meer den Herausforderungen des Alltags begegnen – mit der Weite im Kopf und im Herzen.


Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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