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Kirche in WDR 2 | 10.04.2026 | 05:55 Uhr
Weißer Sonntag
Noch sind Osterferien. Doch viele katholische Kinder sind nicht in Urlaub oder zu Besuch bei den Großeltern. Denn sie haben heute Probe in der Kirche für ihre Erstkommunion übermorgen, am sogenannten Weißen Sonntag. Der Tag heißt so, weil früher die frisch Getauften ab Ostern eine Woche in weißen Gewändern herumgingen, im Taufkleid. Bei den Erstkommunionkindern tragen noch häufig die Mädchen weiße Kleider, die Jungen oft dunkle Anzüge – das ist auch praktischer wegen der Fleckengefahr. Sich so herauszuputzen ist natürlich heutzutage kein Muss, aber Tradition vielen den Familien. Und die Kinder finden es gut, dass mit der Kleidung zum Ausdruck kommt: Heute ist mein besonderer Tag, heute stehe ich im Mittelpunkt.
Seit dem Herbst haben sich die Kinder vorbereitet. Bei uns geschieht das traditionell in festen Gruppen, geleitet von Erwachsenen. Zumeist Frauen, aber zwei Männer sind auch dabei. Seit Ende Oktober kamen unsere vierzig Kommunionkinder auch jeden Sonntag zum Gottesdienst. An zwei Wochenenden gab es Aktionstage mit Basteln, Spielen, Geschichtenerzählen. Und natürlich frisch gekochtem Mittagessen. Weil wir ja in einem eher armen Stadtteil leben, kommen die Kinder auch gerne sonntags in die Kirche oder zu den wöchentlichen Treffen in der kleinen Gruppe. Es gibt ja sonst nicht so viel Abwechslung oder eine Fahrt ins Wochenendhaus. Beim zweiten Aktionswochenende waren am Samstag alle vierzig Kinder da.
Aber noch mal zu den Weißen Gewändern: Bei uns können Familien unentgeltlich Kommunionkleider oder Anzüge bekommen. Denn viele können es sich das nicht leisten. Zum Glück bekommen wir viele geschenkt, haben aber auch schon günstig welche kaufen können. An zwei Tagen ist der Kommunionshop geöffnet. Bei uns ist die Erstkommunionfeier in der Kirche nicht übermorgen, also am Weißen Sonntag, sondern am Samstag darauf um 14 Uhr. Das hat drei Vorteile. Zum Ersten können die Familien übermorgen andere Kommunionfeiern in der Verwandtschaft oder bei befreundeten Familien besuchen. Zum zweiten ist eine Feier um 14 Uhr finanziell günstig. Man braucht kein Mittagessen und beginnt die Familienfeier erst ab etwa 16 Uhr. Am Sonntagmorgen können dann alle ausschlafen. Und drittens können manche Kinder im Kinderchor in den Ferien nicht zur Probe kommen, weil sie etwa bei der Oma sind. Nach den Ferien ist das kein Problem und der Chor singt bei der festlichen Kommunionfeier.
So fehlt übermorgen am Weißen Sonntag in vielen Kirchen oder am Samstag darauf nur noch eins: strahlender Sonnenschein. Sollte es nicht so sein, trösten wir uns mit dem Spruch: "Regen bringt Segen". Was ja im Kern bei der Ersten Heiligen Kommunion sowieso geschieht.
