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Kirche in WDR 2 | 03.03.2026 | 05:55 Uhr
Gartenfrust
Ich stehe an der Terassentür und schaue hinaus in den kleinen Garten. Es ist fröstelig kalt und ungemütlich grau. Die Sträucher sind noch kahl. Ebenso die Bäume. Die Gartenhütte muss gestrichen werden, ihr Dach repariert. Aber am schlimmsten ist der Rasen: Der Maulwurf hat den grünen Teppich in eine Kraterlandschaft verwandelt.
Wo man hinschaut: nur Arbeit. Frustrierend. Macht keinen Spaß, so ein Garten.
In dem Moment bekomme ich einen Stoß in die Seite. Mein Neunjähriger stürmt an mir vorbei, drängelt sich durch die Tür. Und flitzt in den Garten. Er hat einen Ball dabei und rennt von links nach rechts und umgekehrt. Und er hat den Spaß seines Lebens.
Und plötzlich erinnere ich mich. Als wir hergezogen sind, vor ein paar Jahren, raus aus unserer ziemlich überteuerten Mietwohnung im dritten Stock, da war das für mich noch anders. Da war der Garten super. Ein Stück Freiheit. Da habe ich das Rasenmähen genossen. Und jeden Tag nachgesehen, was die Blumen und Sträucher so machen, und ob sie schon wieder ein bisschen gewachsen sind. Wo ist dieses Gefühl hin? Es ist doch derselbe Garten. Und doch fühlt sich alles anders an.
Wie kommt es eigentlich, dass du das, was dich heute glücklich macht, oft morgen schon selbstverständlich findest. Und irgendwann sogar nur noch lästig. Und das gilt ja nicht nur für Gärten. Das gilt auch für Autos, Handys, Uhren. Es gilt für den Traumjob, den man nach drei Jahren am liebsten nie angefangen hätte. Für Beziehungen. Manchmal auch das. Schön ist das nicht. Weil es ein Leben in ständiger Unzufriedenheit ist. Man kommt nie an, muss immer weiter. Und vermutet das Glück immer irgendwo dahinten. Nur nie da, wo man gerade ist.
Im Buch der Psalmen (Psalm 103,2) gibt es einen Satz, der heißt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Vergiss nicht. Das wäre schön. Sich mehr an das Gute zu erinnern. Sich sozusagen an diesem guten Gefühl festzuhalten und es einfach nicht mehr loszulassen.
Ich vermute, „danke“ sagen kann dabei helfen. Gott, dem Leben, der Familie, den Freunden. Sich selbst. Danke für das, was ich erreicht habe. Danke, dass ich diesen Ort gefunden, diesen Menschen kennengelernt, diese Erfahrung gemacht habe. Damit man endlich beim Glück ankommt und es nicht nur vor sich hertreibt. Neunjährige scheinen das zu können. Vielleicht kann ich es dann auch wieder lernen.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
