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Kirche in WDR 5 | 15.05.2026 | 06:55 Uhr

Stirnrunzeln

Guten Morgen.


Wie hat heute Morgen Ihre Stirn ausgesehen? Mehr glatt oder sorgengefaltet? Antike römische Porträts zeigen die dargestellten Personen oft mit zerfurchtem, faltigem Gesicht.

Die britische Althistorikerin Mary Beard schreibt dazu in ihrem lesenswerten Buch „SPQR“: „Diese Porträts spiegeln das Idealbild der damaligen Zeit, wie ein wahrer Römer zu sein hatte: hart, nüchtern, gezeichnet von Arbeit, Kampf und der Sorge um den Staat.“ Das erinnert an manche Porträts und Fotos aus der Zeit meiner Ur-Großeltern: Lächeln war verpönt. Stirnrunzeln ein Ausdruck tiefen Lebensernstes.


Ganz anders dagegen die Selbstinszenierung unserer Tage. Sie ist geprägt von glatter Haut und ewigem Lächeln. Was Anti-Aging-Cremes und Botox nicht schaffen, erledigt das Bildbearbeitungsprogamm am Handy. Doch was soll an einem dauerhaft faltenlosen Gesicht attraktiv sein, das vom Leben nichts erfahren noch verstanden hat, das keine Spuren von Lachen, Denken, Sorgen in sich trägt? Eine Abbild ewiger Ahnungslosigkeit. Spiegelbild einer Gesellschaft, die mit dem eigenen Altern nichts anzufangen weiß. So wenig ich Gries-Gram-Gesichter leiden kann, so sehr erschrecken mich fünfzigjährige Baby-Faces. Es gibt eine ganz eigene Schönheit des Alterns, wenn sich im Angesicht eines Menschen Lebenserfahrung und Menschenfreundlichkeit eingezeichnet haben.


Nun gibt es auch bei den Falten „sone und solche“. Ich liebe es etwa, wenn bei einem Menschen die Grübchen um den Mund in die Lachfalten um die Augen übergehen. Ein Netzwerk von Humor und Humanität. Weniger leiden kann ich dagegen – vor allem bei mir selbst – die Sorgenfurche zwischen den Augenbrauen. Sie verleiht so einen grimmigen Gesichtsausdruck. Noch schlimmer ist es, wenn die Gesichtszüge eines Menschen vom Hass geprägt werden. Manche politischen Botschaften erschrecken mich auch ohne Ton –

einfach schon auf Grund der krampfhaft verzerrten Gesichtszüge der Beteiligten.


Im Glauben geht es darum, das Gesicht „in die rechten Falten zu legen“. Der Glaube schützt mich nicht davor, dass ich Leid erfahre, Angst habe, Wut spüre, mir Sorgen mache.

Aber er kann mir helfen, dass ich mich nicht davon bestimmen lasse. Es verändert meine Mimik, wenn ich mein Leben und meine Mitmenschen ins Gebet nehme. Gott danke für das, was mir geschenkt ist. Gott klage, was mir Angst und Sorgen macht. Und Gott bitte für andere, die meine Hilfe ebenso brauchen wie ich. Das hilft, meine Falten in die richtige Richtung zu lenken. Es macht meine Stirn nicht glatter, aber – hoffentlich – tiefer, weise und lebensschöner. Und das ist mir wichtig im Umgang mit anderen: Im Spiegel deines Gesichts möchte ich lesen von den Tiefen und Höhen, die wir gemeinsam erlebten, von den Sorgen und Ängsten, die wir gemeinsam teilten, von dem Glück und der Schönheit, die wir gemeinsam erfuhren und davon, wie am Ende dein Lächeln immer wieder siegt.


Ich wünsche Ihnen einen guten, gesegneten Tag.

(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )

Ihr Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.


Quellen:

Mary Beard, SPQR. A History of Ancient Rome, New York 2015.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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