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Kirche in WDR 4 | 11.02.2026 | 08:55 Uhr
Welttag der Kranken
11. Februar, das ist seit 33 Jahren in der katholischen Kirche der „Welttag der Kranken“. Im ersten Moment fallen mir da Menschen mit furchtbaren Schmerzen ein, mit schweren Einschränkungen. Ich denke an Krankenhäuser, Intensivstationen und an Pflegebetten in Wohnzimmern. Aber das fasst es zu kurz. Denn wenn ich mich frage: Wer ist zu 100% gesund an Körper, Geist und Seele? Dann fällt mir keiner ein. Irgendwas ist immer. Da gehe ich ganz mit Aaron Antonovsky mit, einem amerikanisch-israelischen Soziologen, der in seiner Forschung zu diesem Thema schon vor ca. 50 Jahren festgestellt hat: kein Mensch ist jemals komplett gesund oder komplett krank. Jeder Mensch hat zu jedem Zeitpunkt Anteile von beidem. Und natürlich war Herrn Antonovsky auch klar: Mal geht es mehr in die eine mal mehr in die andere Richtung. Manche Menschen können das gut ignorieren, was nicht komplett gesund an ihnen ist. Andere sind von ihrer Krankheit so gezeichnet, dass sie sie keinen Moment vergessen können. Da bestimmt die Krankheit das komplette Leben. Und trotzdem: Wenn ich mit Aaron Antonovskys Aussage mitgehe, komme ich zu dem Schluss: Dieser Welttag der Kranken geht wirklich alle etwas an. Alle Menschen sind gemeint. Ein Tag, um aneinander zu denken. Vielleicht auch füreinander zu beten. Und das passiert heute in ganz vielen Gottesdiensten und darüber hinaus.
Gedenktage – eine wichtige Sache. Weil sie unserer Solidarität einen festen Termin geben. Denn: egal, wo wir uns derzeit auf der Achse zwischen krank und gesund befinden – den meisten Menschen geht es besser, wenn sie spüren, dass sie nicht allein sind. Es geht um Verbundenheit. Das sieht der Papst wohl ähnlich, denn er hat zum heutigen Gedenktag eine Botschaft verfasst und darin steht unter anderem dieser Satz: „Die Liebe ist nicht passiv, sie geht auf den anderen zu.“ Denken Sie auch gerade an ein Herz auf zwei Beinen? Das wäre ein niedlicher Comic, keine Frage. Aber ich vermute, Papst Leo meint eben nicht, dass die Liebe ein Selbstläufer ist. Immer geht es darum, dass aus Liebe Handlungen werden. Solche, die den anderen bestärken. Auch das sieht der Papst ähnlich. Er schreibt: „Ob man zum Nächsten wird, hängt nicht von physischer oder sozialer Nähe ab, sondern von der Entscheidung zu lieben.“ Nächstenliebe als Entscheidung.
Wobei ich glaube, dass das nicht die eine große Entscheidung ist. Sondern: Nächstenliebe besteht aus vielen winzig kleinen Alltagsentscheidungen. Eine Mischung aus bestärkenden Gedanken, Gebeten, Worten und Blicken, aus gebackenen Kuchen und getragenen Umzugskisten und so vielem mehr.
Und ich glaube: Mit jeder bewussten Entscheidung wird unser Lieben doch zum Selbstläufer. Zu einer Haltung, die selbstverständlich da ist und gelebt wird. Für heute: Ich denke an alle, die krank sind. An Körper, Geist und Seele. Und ich möchte euch und Ihnen sagen: Ihr seid nicht allein!
