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Kirche in WDR 2 | 11.06.2026 | 05:55 Uhr
Straßenverkehr
Zwei Autos kommen in der Baustelle an einen Engpass. Nun eines kann fahren. Wer fährt zuerst?
Ich denke spontan: Ich. Denn ich war ein klein wenig früher da. Und das ist ja entscheidend. Also ich zuerst und das zu Recht. – Doch dann, der Andere, der fährt einfach los. Rücksichtslos. Und ich spüre, wie ich innerlich anfange, zu brodeln. Denn es passiert ja immer wieder und immer häufiger. Ich glaube, die allseits angespannte, gereizte Stimmung in unserer Gesellschaft macht sich auch im Straßenverkehr bemerkbar. Es wird ruppiger und härter.
Ok. Was haben nun diese Gedanken in einer Morgenandacht zu suchen? Die Bibel sagt nichts zur Straßenverkehrsordnung und der Pfarrer nimmt Gott sei Dank auch keine Führerscheinprüfung ab.
Doch ich denke an dieses Bibelwort: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ Jesus hat das gesagt in seiner Bergpredigt (Matthäus 7,12). Der Volksmund hat daraus gemacht: „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderem zu.“ Das ist die gleiche Aussage, nur negativ formuliert. Ich finde es positiv gesprochen, so wie Jesus, schöner.
„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ Im Foyer der Vereinten Nationen in New York ist dieser Satz aus der Bergpredigt sogar in einem Mosaik verewigt. Und auf dem Bild außen herum sind Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen und Religionen abgebildet. Junge, Alte, Fromme, Nicht-Fromme. Alle stehen friedlich und fröhlich beieinander. Im Eingang zu den Vereinten Nationen! Ein weiser Hinweis denn: Religiöse Botschaften – wie die hier von Jesus – haben für jeden privat Bedeutung, aber eben auch für die ganze Weltgesellschaft.
Zurück auf der Straße: Schon wenige Tags später, wenig überraschend, hat sich das Ganze wiederholt. Wieder Baustelle, wieder unklare Straßenlage. Wer hat Vorfahrt, wer nicht? Ich habe dieses Mal eine Sekunde innegehalten und dann mit einer Geste dem anderen gezeigt: „Komm, bitte fahr Du.“
Der Andere fuhr vorbei, schaute zurück und winkte, ganz freundlich, dankbar. – Ich selbst bin dann mit einem richtig guten Gefühl weitergefahren und ich glaube, die andere Person auch.
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
