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Letztes Frühstücksmahl bei Regina Protmann
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Kirche in WDR 5 | 14.08.2026 | 06:55 Uhr

Letztes Frühstücksmahl bei Regina Protmann

Brötchen gab es an diesem Sonntag keine mehr. Aber noch Rosinenbrot. „Essen Sie alles auf – das ist hier das letzte Frühstück“. Sr. Regina steht an unserem Tisch im leeren Speisesaal und was sie da sagt, trifft meinen Kollegen und mich. Wir wussten nicht, dass wir die letzten Gäste sind, als wir uns im Gästehaus der Katharinenschwestern im Norden von Münster einmieteten. Aber: Anfang Juli, vor einem Monat, war Schluss. Dieses „letzte Frühstücksmahl“: irgendwie beklemmend. Selten habe ich so nah miterlebt, was derzeit in Deutschland passiert: Das Ordenssterben. Köster werden geschlossen. Der zweite Lungenflügel der katholischen Kirche stirbt ab an vielen Orten.

Der zweite Lungenflügel? Ja. Das Christentum war nie nur „Bischofskirche“. Wesentliche Impulse „atmet“ mein Glauben durch Männer und Frauen, die sich ab dem 3. Jahrhundert zusammenschlossen in Solidargemeinschaften, in Betgemeinschaften, in Denkgemeinschaften, in Produktionsgemeinschaften. Europa denken ohne den Erfindergeist der Benediktiner? Ohne deren Weinbau, Bierbrauen, deren Schreibstuben? Unmöglich! Der Pflug aus Eisen – die mechanische Uhr: Wer hat’s erfunden? Die, die „Ora et Labora“ zum klösterlichen Lifestyle erhoben. Dann die Franziskaner, Dominikaner, Jesuiten, Augustiner, Salesianer – und wie sie alle heißen. Und jetzt habe ich noch nicht von den Frauenorden gesprochen. Aber gerade die waren wichtig: In der Pflege, in der Bildung – ja, in der Emanzipation der Frau…zu einer Zeit, als es weder dieses Wort gab, noch die Emma-Zeitschrift.

Und hier bin ich bei den Katharinenschwestern und dem „letzten Frühstücksmahl“. Näher, im Gästehaus „Regina Protmann“ am Ermlandweg, im Norden von Münster. Das Gästehaus, das jetzt keines mehr ist, trug den Namen der Gründerin. Und die Straße ist nach der Region benannt, die heute in Polen liegt und damals die Provinz Ermland in Ostpreußen war. Regina Protmann[1] gründet 1571 ihre Frauengemeinschaft in Braunsberg, heute Branjewo.

Und sie ist eine echte Pionierin in der Kloster-Frauenbewegung. Das erfuhr ich von der heutigen Oberin, die auch Sr. Regina heißt, bei besagtem Frühstück. Pionierin – warum? Die Katharinenschwestern waren der erste Frauenorden, der auch tätig sein durfte außerhalb der Klausur, also dem abgesonderten Bereich des Klosters: In der Bildung, in der Armen- und Krankenpflege. Davor gab es sogenannte „aktive Orden“ nur bei Männern, z.B. die Franziskaner. Regina Protmann aber argumentierte: Kommt es bei der „Klausur“ denn auf die Mauer an? Kann ich die Klausur nicht auch in meinem Herzen tragen? Kann ich nicht die Gebetszeiten einhalten, während ich Kranke pflege? Das war damals ein Novum. Das war sogar bewusst nicht gewollt, in der Zeit der Gegenreformation. Es gab dazu einen Beschluss beim Konzil von Trient. Sr. Regina in Münster schmunzelt ein wenig, dass das dann doch den Ordensfrauen aus Braunsberg erlaubt wurde: „Wir waren ja so weit weg von Rom – das hatte der damalige Papst wohl gar nicht realisiert, was er da losgestoßen hatte“. Regina Protmann – eine echte Pionierin für die Ordensbewegung in meiner Kirche. Das wusste ich vorher nicht. Regina Protmann war sogar selbstbewusst genug, ihrer Frauengemeinschaft eine eigene Ordensregel zu schreiben. Und da spielt ein Satz eine wichtige Rolle: „Wie Gott will“. Der Satz klingt harmlos.

Aber der trug die Schwestern auch in dramatischen Zeiten: Nach dem Ende des 2. Weltkriegs flohen über 400 Katharinenschwestern vor den Sowjets, samt den Gebeinen ihrer Gründerin, und ließen sich in Münster nieder – am Ermlandweg. Heute leben noch 5 Schwestern in der großen Klosteranlage. Sr. Regina, die patente Oberin, weiß, dass zumindest in Deutschland für ihren Orden das Licht ausgeht. „Wie Gott will“ – ist auch hier ein Satz, der Demut braucht, um ihn zu tragen. Daher wollte ich jetzt davon erzählen, von diesem letzten Frühstück und die großartige Geschichte dieses Ordens kurz aufleben lassen – in aller Dankbarkeit.

Ein gutes Frühstück wünscht Klaus Nelißen aus Köln



[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Regina_Protmann


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