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Kirche in WDR 3 | 28.08.2026 | 07:50 Uhr
Sauber ticken
Es gibt Leute, die ticken anders. Franz Meurer ist so einer: „Gott ist analog. Ich auch“. Das ist ein typischer Meurer-Satz. Er hat zwar mittlerweile ein Handy, nutzt es eigentlich nie. Tippt seine Texte mit der Schreibmaschine, in seinem Pfarrhaus im Kölner Brennpunktviertel Höhenberg-Vingst. Wegen Franz Meurer hatten wir lange Zeit hier im Rundfunkreferat noch ein Faxgerät. Bis ich mal seiner Sekretärin, der unermüdlichen Frau Kamzela, den Tipp gab, die Schreibmaschinentexte doch einzuscannen und mit der Texterkennung zu erfassen. Das ersparte allen viel Arbeit. Wobei: wert war sie es alle Mal.
Pfarrer Meurer gehört nach wie vor zu den beliebtesten Autoren bei „Kirche im WDR“. Hier auf Ihrer Welle hören Sie ihn nicht. Aber bei WDR2 und bei WDR4, da spricht er an jedem zweiten Freitag. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und das wird auch weiter so bleiben, wenn Pfarrer Meurer am Sonntag als Pfarrer in den Ruhestand verabschiedet wird.
Es
gibt Leute, die ticken anders. 1968, da ist Franz Meurer in die CDU
eingetreten. Ein besonderes Jahr; in dem andere in alles andere eingetreten
wären…auch irgendwie anarchisch... Franz Meurer ist dann sogar ins
Priesterseminar eingetreten. Vom Weihejahrgang: ein 78’er. Etwas anarchisch ist
er auch als Priester geblieben. Und zugleich: einer der frömmsten Menschen, die
ich kenne. Und das im ursprünglichen Sinne: Seit dem 8. Jahrhundert ist das
Wort „fromm“ bezeugt. Es kommt aus dem Althochdeutschen. „Fruma“, „Froma“, das
hieß damals „nützlich“, „tüchtig“, „rechtschaffen“. Frömmigkeit ist bei Pfarrer
Meurer immer handfest: nützlich, tüchtig, rechtschaffen. Ein Beispiel: Fast
keine Aufnahme hier im WDR-Studio vergeht, ohne dass Pfarrer Meurer eine
Aufmerksamkeit mitbringt – für alle Beteiligten: den Techniker, die
Aufnahmeleitern, mich. Im Sommer: Eis; im Winter: selbstgebackene Kekse.
Pfarrer Meurer ist so eine Mischung aus
meinem Namenspatron und seinem eigenem: Geschenkebringend wie Nikolaus,
genügsam wie der „Poverello“, Franz von Assisi. Der mochte übrigens Kekse auch
so sehr, dass er an seinem Sterbebett, vor bald 800 Jahren, noch nach
Mandelplätzchen verlangte. Wie auch immer: Franz Meurer mag wie der Heilige
Franz ein paar „Guilty Pleasures“ haben, also kleine Vorlieben, – einmal sah
ich ihn schmockend mit einer Feierabend-Zigarre - ansonsten ist er völlig
uneigennützig.
Und
das bedeutet auch, dass er seine eigenen Grundsätze über Bord schmeisst, wenn
die Lage das fordert. Ein Beispiel: Als Corona uns alle in den ersten Lockdown
unseres Lebens schickte, rief Franz Meurer an: „Klaus. Ich will mit Jürgen
Wiebicke einen Podcast machen. Wie geht das? Man kann die Leute doch jetzt
nicht alleine zu Hause lassen.“ Der „Sinnsucher“-Podcast war alles andere als
analog. Aber: als die Welt anders tickte, ist Franz Meurer nicht durchgetickt,
sondern fand den richtigen Takt, um bei den Leuten zu sein.
Franz Meurer tickt anders als viele andere in
meiner Kirche. Er tickt sauber. Und dass er auch hier im Radio noch lange
weitertickt, das wünsche ich nicht nur mir, sondern auch den Hörerinnen und
Hörern. Dass auch Sie sauber ticken, gerne auch mal anders, wünscht: Klaus
Nelißen aus Köln.
