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Kirche in WDR 2 | 28.04.2026 | 05:55 Uhr
Fairness im Leben und auf dem Platz
Autorin: Bei Sport denke ich an Fairness, Leistung und Teamgeist. An einen Ort, an dem alle die gleichen Chancen haben. Ein Spielfeld mit gleichen Regeln für alle. Doch so einfach ist es leider nicht.
Die Soziologin Gitta Axmann von der Deutschen Sporthochschule Köln sagt: Sport ist kein neutraler Raum. Er ist öffentlicher Raum. Hier lernen Menschen früh: Wer sichtbar ist, wer entscheidet und wessen Leistung zählt. Bei ihrem Vortrag zum Internationalen Frauentag des Landes Nordrhein-Westfalen wurde eins deutlich: Gleichstellung im Sport ist bei uns noch lange nicht erreicht.
Auch 2026 werden Frauen im Sport weniger gefördert, trainieren unter schlechteren Bedingungen und verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Sie bekommen schlechtere Übertragungszeiten im Fernsehen und anstatt ihrer Leistung wird ihr Körper und ihr Aussehen kommentiert. Dahinter steckt strukturelle Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Nach dem Grundgesetz verboten.
Die Frage, wer gesehen, gefördert wird und wer Entscheidungen trifft, ist immer auch eine Frage der Gerechtigkeit. Der Sport spiegelt unsere Gesellschaft, so Gitta Axmann. Mit ihren Möglichkeiten, aber auch mit ihren Ungleichheiten.
Die Bibel kennt diese Erfahrung. Im ersten Buch Samuel heißt es: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott* aber sieht das Herz.“(1. Samuel 16,7) Ein Satz, der erstaunlich aktuell klingt.
Menschen neigen dazu, nach äußeren Maßstäben zu urteilen: Nach Stärke, Körper, Auftreten, Geschlecht.
Die Bibel sagt: Gott* schaut tiefer und fragt nach dem, was uns Menschen im Inneren bewegt – nach dem eigenen Mut, dem Vertrauen, der Hingabe.
Daraus wächst ein klarer Auftrag: Wenn wir uns an Gottes* Blick orientieren wollen, dann sind wir gerufen, Strukturen zu hinterfragen, die Menschen benachteiligen. Es braucht echte Fairness – im Leben und auf dem Platz.
Vielleicht kann der Sport tatsächlich ein Lernort dafür sein. Ein Ort, an dem wir einüben, was es heißt, mit Gottes* Augen zu sehen: nicht zu vergleichen, nicht abzuwerten, sondern das Potenzial jedes Menschen ernst zu nehmen.
Dann würde sich im Spiel ein Stück von dem zeigen, was die Bibel immer wieder verheißt: eine Gemeinschaft, in der Gerechtigkeit und Würde für alle gelten, in der sichtbar wird, was Gott* längst sieht.
Quellen:
https://www.mkjfgfi.nrw/
https://www.instagram.com/p/DVOINwIjfbO/
https://www.lsb.nrw/unsere-themen/chancengleichheit/gleichstellung
https://fis.dshs-koeln.de/de/persons/gitta-axmann
zuletzt abgerufen am 9.3.2026
Redaktion: Landespfarrerin Julia-Rebecca Riedel
