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Kirche in WDR 2 | 11.07.2026 | 05:55 Uhr
Gottes* 8 Milliarden
Jeden Morgen halte ich kurz am Zebrastreifen vor der Grundschule und schaue zu, wie die Kinder die Straße überqueren – manche noch verschlafen, andere schon voller Energie. Da fallen mir ein Junge und ein Mädchen auf. Sie unterhalten sich angeregt, lachen und wirken voller Erwartungen an den Tag. Und während ich ihnen nachschaue, frage ich mich: Wie werden ihre Lebenswege wohl aussehen? Werden beide ihre Träume verwirklichen können? Werden sie die Freiheit haben, ihren eigenen Weg zu gehen?
Heute ist der Internationale Tag der Weltbevölkerung. Mehr als acht Milliarden
Menschen leben inzwischen auf der Erde. Acht Milliarden Geschichten, Hoffnungen
und Lebensrealitäten. Doch diese Lebensrealitäten sind nicht für alle gleich.
Wer als Mädchen, Frau, trans*, inter, nicht-binäre oder agender Person geboren
wird – als FLINTA* –, hat weltweit oft schlechtere Chancen auf Bildung,
Gesundheit, Sicherheit und politische Teilhabe. Aber auch Jungen und Männer
leiden unter starren Geschlechterrollen. Immer noch lernen viele früh, ihre
eher zarten Gefühle zu unterdrücken und bestimmte Rollenerwartungen als Mann zu
erfüllen.
Ich versuche mir diese unglaubliche Zahl von acht Milliarden Menschen
vorzustellen. Es gelingt mir nicht wirklich. Die Bibel erinnert daran, dass
Gott* Menschen nicht als Masse sieht. In Psalm 139 heißt es: „Du hast mich
geschaffen und du kennst mich.“ Meint so viel wie: Nicht die Statistik zählt,
sondern jeder einzelne Mensch. Jede Person ist von Gott* gewollt und mit
unveräußerlicher Würde ausgestattet. Und Gott* kennt jeden einzelnen Menschen.
Alle acht Milliarden. In ihrer Unterschiedlichkeit, mit ihren Hoffnungen, ihren
Grenzen und ihren Möglichkeiten. Auch das ist unvorstellbar. Aber vielleicht
liegt in dem Gedanken auch ein Auftrag. Denn: Wenn jeder Mensch von Gott* mit
Würde geschaffen ist, dann müssen wir Chancen gleich verteilen.
Ich denke noch einmal an die beiden Kinder vor der Schule. Vielleicht wird das Mädchen Ingenieurin, vielleicht arbeitet der Junge später mal als Erzieher. Vielleicht wählen sie ganz andere Wege. Wenn wir Psalm 139 ernst nehmen, dann beginnt das Reich Gottes dort, wo wir anfangen, einander als Ebenbilder Gottes* zu sehen. Als Menschen, die frei und in Würde leben sollen. In der Würde, die Gott* uns schon im Mutterleib zugesprochen hat.
Quellen: https://unric.org/de/8milliarden15112022/
https://www.bpb.de/mediathek/audio/510482/weltbevoelkerungstag/
Zuletzt abgerufen am 03.06.2026
Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
