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Kirche in WDR 3 | 05.09.2026 | 07:50 Uhr
Geschwister
Guten Morgen.
Dass ich einen Bruder und zwei Schwestern habe – ist für mich was Selbstverständliches. Merkwürdig, dass es dafür einen extra Gedenk-Tag geben muss. Heute, am 5. September ist der „Internationale Tag der Geschwister“. (1) Das habe ich vor einiger Zeit zufällig herausgefunden. Als ich dann etwas genauer wissen wollte, was dahintersteckt, war ich einigermaßen verwirrt. Auf einmal tauchten noch zwei weitere Daten auf, an denen der Weltgeschwistertag gefeiert werden soll: der 4. Februar und der 10. April – auch das sind internationale Tage der Geschwisterschaft. Wer genau meine Geschwister sind, darauf geben diese verschiedenen Gedenktage ganz verschiedene Antworten.
Die Idee, den 10. April als Tag für die Geschwister zu begehen, geht auf die Amerikanerin Claudia Evart zurück. Ihre beiden Geschwister Alan und Lisette sind früh ums Leben gekommen. Claudia Evart hat bald gemerkt, wie viel sie ihren beiden Geschwistern zu verdanken hat. „Von Lisette das Schwimmen und Schlittschuhfahren, das Backen oder die Gärtnerei. Von Alan das Überleben in der Wildnis und vor allem: Mut.“ (2) Deswegen hat sie 1995 die „Siblings day foundation“ gegründet – die „Geschwistertags-Stiftung“. Diese Stiftung setzt sich zum Ziel, Geschwister in ihren Beziehungen zu stärken oder auch Geschwister, die durch verschiedene Umstände getrennt wurden, wieder zusammen zu bringen.
In der Zwischenzeit wird dieser Geschwistertag in vielen Ländern gefeiert – vielleicht auch weil berühmte Leute wie die amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und Barack Obahma zu den Unterstützern dieser Stiftung zählen.
In einen ganz anderen Kreis von Geschwistern kommen wir hinein, wenn wir den 4. Februar als Geschwistertag begehen. Am 4. Februar 2019 unterzeichneten Papst Franziskus und Scheich Ahmad al Tayyib die sogenannte Erklärung von Abu Dabi: das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Darin geht es um die Fähigkeit zu Mitgefühl und menschlicher Solidarität über alle religiösen und weltanschaulichen Grenzen hinweg. (3) Mir scheint, dass wir alle, aber vor allem die politischen Entscheidungsträger unserer Welt diese wichtigen Zeilen noch einmal ganz gründlich lesen sollten.
Und schließlich heute, der 5. September. Es ist der Todestag von Mutter Theresa. (4) Sie hat sich ihr Leben lang um arme, kranke, sterbende Menschen in Indien gekümmert. Es sind viele Fragen an ihre Arbeit gestellt worden: ob sie wirklich den Menschen so geholfen hat, wie es möglich gewesen wäre, ob das gespendete Geld wirklich da angekommen ist, wo es hin sollte und ob unter den Spendern nicht Leute waren, die ihr Geld nur reinwaschen wollten? Ich kann diese Fragen nicht wirklich beantworten. Aber ich kann sagen, dass durch die Arbeit dieser kleinen Frau die große Frage noch einmal ganz dringend an uns Menschen gestellt wird: Wer sind deine Geschwister? Was bedeutet es, dass wir zu unserem himmlischen Vater beten? Was ist das für eine Familie, die da entsteht? Was für eine Weite!?
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Einen guten Tag wünscht Ihnen Ihr Eberhard Helling, Pfarrer in Lübbecke.
( 1 ) 5. September - Weltgeschwistertag 2026
( 2 ) Weltgeschwistertag: Das ist die traurige Geschichte dahinter - DER SPIEGEL und Über – Geschwistertag-Stiftung
( 3 ) Internationaler Tag der menschlichen Geschwisterlichkeit – Wikipedia
( 4 ) Mutter Teresa – Wikipedia
Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
