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Kirche in WDR 2 | 13.08.2026 | 05:55 Uhr
Nur das Beste
Meine Kinder sind mittlerweile erwachsen. Die stehen zwar noch nicht im Beruf. Aber das Ende der Ausbildung ist absehbar. Und es wäre glatt gelogen, wenn ich sagen würde: Das war ein glatter Durchmarsch. Ohne Höhen und Tiefen. Ohne Schlaglöcher und ohne Umwege. Im Gegenteil. Und wahrscheinlich ist es uns genauso gegangen wie vielen anderen Eltern: Wir wollten das Beste für unsere Tochter und für unseren Sohn. Gut, wir haben bei etlichen Sachen auch nicht mitgemacht, obwohl uns alle Welt gesagt hat, wie wichtig das für die spätere Entwicklung ist. Frühkindliche Förderung bestand bei uns zu Hause eher im gemeinsamen Kochen und Backen, im Stöcke sammeln und Schneckenrennen veranstalten. Und an den Stellen, wo wir es mit klassischer Förderung versucht haben, sind wir grandios gescheitert. Unsere Bibliothek zum Beispiel ist riesig; beide Kinder haben sich auch gerne von mir vorlesen lassen. Aber selber gelesen? Absolute Fehlanzeige. Wir haben auch beiden ermöglicht, sich ein Instrument auszusuchen – und waren ziemlich erleichtert, als dann irgendwann die Erkenntnis reifte, dass Mama und Papa die Folter durch Geigenspiel wohl lange genug ausgehalten hatten. Trotzdem stand da immer der riesige Elefant im Raum: Wir wollen doch das Beste für unsere Kinder!
Spannende Frage: Was genau ist denn eigentlich das Beste für ein Kind? Keine Sorge: Ich gebe hier jetzt keine neunmalklugen Erziehungstipps. Aber wir hatten für uns schon so einen Moment, in dem wir ordentlich ins Grübeln gekommen sind. Damals standen wir vor der Frage, auf welche weiterführende Schule eins unserer Kinder denn später mal gehen soll. Wohlgemerkt: Soll – nicht kann! Für uns stellte sich also weniger die Frage, was das Beste fürs Kind ist – sondern was für Erwartungen und Wünsche wir als Eltern haben. Selbstverständlich stand da das Gymnasium ganz oben. Und dann sprachen wir mit einem Pärchen, die offenkundig vor der gleichen Situation standen. Aber deren Haltung war deutlich klarer als unsere. Sie sagten: „Unser Junge geht nicht aufs Gymnasium. Wir wollen ihn nicht überfordern. Und wir können uns das leisten …“ Gemeint war damit gleichzeitig: Wir brauchen das nicht für unser Ego. Wir erwarten von unserem Kind nicht, dass es das in seinem Leben erreicht, was uns nicht möglich war. Gemeint war damit aber auch: Entscheidend ist, dass es unserem Kind gut geht. Dass es Freude an Schule und am Lernen hat – und nicht zerbricht an Forderungen und Anforderungen.
Für mich war das eine wahrhaft biblische Haltung. Weil auch diese Eltern sicherlich Erwartungen an ihr Kind hatten. So wie Gott Erwartungen an mich hat. Aber: Diesen Eltern war klar, dass ihre Erwartungen eigentlich nur dem einen Zweck dienen sollten – nämlich dass ihr Kind ein gutes, ein frohes, ein freies Leben führen kann. Und nichts anderes sagt auch Gott. Seine Gebote, seine Regeln, seine Erwartungen sind nicht um ihrer selbst willen da. Oder weil Gott zeigen will, dass er der Chef ist. Sondern damit wir frei und gut leben können. Gott will uns nicht als Sklaven von Regeln und Ritualen. Er möchte gerade, aufrechte, verantwortungsvolle, freie und vor allem frohe Menschen. Eigentlich eine ziemlich sympathische Haltung. Und ein guter Kompass für meinen Alltag – im Umgang mit Kindern. Im Miteinander mit Erwachsenen. Vor allem aber: Im Anspruch an mich selbst!
