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Kirche in WDR 2 | 13.06.2014 | 05:55 Uhr

Nolde

So ein Bild von Maria hatte man noch nicht gesehen: Im erdigen Stall sitzt eine schöne südländische Frau. Offenes schwarzes Haar. Dunkle, weit geöffnete Augen voller Staunen und Liebe. Das rote Neugeborene liegt nicht an ihrer Brust. Sondern sie hält es über sich in den Himmel, an dem der Stern von Bethlehem leuchtet. So wird spürbar, was für ein wundersames Kind dieser Jesus war: Er verband die Weite des Himmels mit der Schwere der Erde.

Emil Nolde hat dieses Bild gemalt. Als erstes von neun Bildern zum Leben Christi. Im Mittelpunkt hängt der Gekreuzigte. Das Gelbgrün seiner gemarterten Haut spiegelt sich in den Gesichtern der Frauen unter dem Kreuz. Gleichzeitig würfeln stumpf gelangweilte Soldaten um sein Gewand.

Die Nazis zeigten diese Bildergruppe 1937 in ihrer Hetzausstellung „Entartete Kunst“. Über den Bildern hingen die Beschimpfungen, die den Nationalsozialisten dazu einfielen. Sie schmähten die Werke als „gemalten Hexenspuk“, der „von psychopathischen Schmierfinken und geschäftstüchtigen Juden als Offenbarungen deutscher Religiosität“ verkauft worden sei.

Ich bin mit Noldes Bildern aufgewachsen. Ich liebe seine ausdrucksstarken Figuren. Seine leuchtenden Pflanzen und Landschaften. Auch die Natur ist bei Nolde voller irdischer Wachstumskraft und spiritueller Tiefe. Gleichzeitig bewunderte ich Noldes Widerstand: von den Nazis verfemt, mit Malverbot belegt. Und doch seinem künstlerischen Gewissen treu geblieben.

So hat ihn auch Siegfried Lenz in seinem Bestseller „Die Deutschstunde“ geschildert. Ein Schlüsselroman, dessen Deutung auf der Hand lag. Unzählige Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt haben ihn als die Geschichte des nordfriesischen Künstlers Emil Nolde gelesen.

Und jetzt bricht dieses Denkmal in sich zusammen. Eine große Ausstellung im Frankfurter Städel zeigt noch bis übermorgen, was schon in den letzten Jahren immer deutlicher wurde: Nolde hatte die Nähe zum Nationalsozialismus gesucht. Sein angeblicher Widerstand war ein nachträglicher Mythos!

1934 wurde er Mitglied der NSDAP. Er pries Adolf Hitler als „genialen Tatmenschen“ und buhlte um die Anerkennung der Nazis. Er war entsetzt über das Urteil, entartet zu sein. Aus der Partei trat er trotzdem nie aus. Er warb weiterhin um ihre Anerkennung. Und produzierte während des angeblichen Malverbots ungehindert weiter.

Muss ich mich jetzt von seinen Bildern verabschieden? Jesus nicht mehr mit seinen Augen sehen? Ich könnte es mir leicht machen und sagen: Noldes religiöse Bilder sind lange vor der Nazizeit entstanden. „Das Leben Christi“ schon 1912. Aber auch seine späteren Bilder waren keine Blut-und-Boden-Kunst.

Ich glaube, Nolde hat damals denselben Fehler gemacht wie viele Künstler und Intellektuelle. Sie dachten, ihre Ideale wären auch die der Nazis. Erst mit der Zeit wurde ihnen deutlich, wie primitiv und menschenverachtend der Nationalsozialismus war. Nolde hat dies leider erst sehr viel später gemerkt als mancher andere. Heute sehen wir es aber ganz deutlich: Mit dem Faschismus war sein religiöses und künstlerisches Empfinden unvereinbar.

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