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Kirche in WDR 2 | 14.06.2014 | 05:55 Uhr

Ich kehre heim

Autor: „Ich kehre heim.“ Nach diesem Satz hebt die Frau ihre Augen von der Schreibmaschine. Sie blickt durch ihr Fenster. Ihr Garten reicht bis zum See. Sie schreibt an einem Rückblick auf ihr Leben.

Sprecherin: I-c-h k-e-h-r-e h-e-i-m. Die Tasten der Schreibmaschine, mit der sie schreibt, sind schon ganz blankgewetzt. Es ist noch immer dieselbe Schreibmaschine, die sie damals von Berlin nach Prag mitgenommen hat, von Prag nach Moskau, von Moskau dann nach Ufa in Baschkirien, und gegen Ende des Krieges, da sprach ihr Sohn schon fließend Russisch, wieder zurück nach Moskau und schließlich nach Berlin.

Autor: Jenny Erpenbeck erzählt von dieser Schriftstellerin in ihrem Buch „Heimsuchung“. Die NS-Zeit hatte sie im Exil in der Sowjetunion verbracht. Weit weg von daheim. Aber war das Land, in dem damals die grauenvollsten Verbrechen begangen wurden, noch ihr „daheim“? Der Schriftstellerin wurde klar,

Sprecherin: „dass daheim niemals mehr Bayern, niemals mehr Nordseestrand oder Berlin heißen würde. Daheim hatte sich in die Zeit verwandelt, die hinter einem lag.“

Autor: Wie das verlorene Paradies. Es gibt kein Zurück in die Vergangenheit. Die Bibel erzählt von Engeln mit Flammenschwertern, die den Weg ins Paradies versperren. Für immer. Wenn die Heimat so eindeutig hinter mir liegt, bleibt nur noch Wehmut. Und dann war die Schriftstellerin doch heimgekehrt. Nach dem Krieg. In der DDR wollte sie mitbauen an einer besseren Zukunft. Sie und ihr Mann…

Sprecherin: … wollten sich aus den deutschen Trümmern endlich irgendeinen Boden unter die Füße ziehen, der nicht mehr trügerisch wäre. Alt würden zwar ihre Körper, jung aber bliebe noch für lange Zeit die Hoffnung auf Erlösung der Menschheit von Habgier und Neid.

Autor: Sie wollte nicht nur in der Vergangenheit daheim sein. An einem Ort, auf den sie wehmütig zurückblickt. Sondern der Zukunft zugewandt. Sie wollte mithelfen, im Osten ein neues Deutschland aufzubauen.

Von solchen Umschwüngen erzählt auch die Bibel immer wieder. Auf der einen Seite ist die Heimat ein verlorenes Paradies. Das zerstörte gelobte Land. Aber dann wächst die Hoffnung, dass Gott eine neue Zukunft schenken wird. Einen echten Neuanfang.

Ende der Siebziger schreibt die Schriftstellerin an ihrem Lebensrückblick. Mittlerweile sieht sie, dass auch die DDR ihre Hoffnungen enttäuscht hat. Ihr neuer Nachbar ist der Arzt einiger Funktionäre und hat dadurch beste Beziehungen. Die hat er benutzt um sich einen Teil ihres gepachteten Grundstückes anzueignen und selbst darauf zu bauen.

Sprecherin: Als sie deswegen in der Gemeinde vorstellig wurde, hieß es, von höherer Stelle sei dies so entschieden worden. […] Sie fragt sich, was es ist, was sich da breit macht, was es ist, das einen Gemeindebeamten dazu ermächtigt, ihr von „höheren Stellen“ zu sprechen.

Autor: Korruption ist es. Kungelei. Aus dem Traum von einem neuen Deutschland war ein gescheiterter Staat geworden. Bald feiern wir zum 25. Mal sein Ende. Aber nicht jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist zum Scheitern verurteilt. Nicht alle Paradiese liegen in der Vergangenheit. Als Christ glaube ich weiterhin, dass meine Heimat in der Zukunft liegt. Ich muss sie nicht selber bauen. Aber jeden Morgen komme ich ihr ein Stück näher.

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