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Hörmal | 25.12.2015 | 07:45 Uhr

Dienstagabend

Dienstagbend, Kölner Hauptbahnhof.

Ich komme aus Duisburg und erreiche gerade noch den Zug nach Euskirchen, meinem Ziel an diesem Abend. Geschafft. Sogar eine Bank nur für mich. Luftholen, Buch raus, weiterlesen…

Da geht die Tür noch einmal auf. Eine ganze Gruppe kommt in den Zug, sie tragen Koffer und volle Tüten bei sich. Eine ältere Frau, mehrere junge Männer und Frauen, auch Kinder sind dabei. Zehn oder zwölf werden das sein. Die sind nicht von hier, denke ich, das müssen Flüchtlinge sein.

Sie setzen sich um mich herum, natürlich wird auch der Platz neben mir gebraucht. Ein unangenehmer Geruch weht herüber, sie waren wohl schon länger unterwegs und bräuchten ein Dusche. Trotzdem mache ich ein freundliches Gesicht, das ist doch keine Frage. Und wende mich wieder meinem Buch zu.

Plötzlich wird es lauter, ein anderer Fahrgast hat mitbekommen, dass die Gruppe nach Trier unterwegs ist. Jetzt haben sie ein Problem, unser Wagon wird in Euskirchen abgekoppelt. Sie müssen in den vorderen Wagen, das versucht er ihnen klar zu machen.

Aber sie verstehen ihn nicht. Können kein Deutsch und auch kein Englisch. Angst kommt auf bei ihnen: Sind sie im falschen Zug? Nein, mische ich mich ein und wende mich an den jungen Mann neben mir. Mit Englisch und Händen versuch ich ihm das Problem zu erklären. „Ihr müsst in den anderen Waggon!“ „Other wagon“ „Here Euskirchen – other wagon: Trier.“

Ich stecke mein Buch weg, das wird wohl nichts mit gemütlichem Lesen. Mit den Händen erkläre ich ihnen, mir hinterherzugehen, nach vorne, damit wir in Euskirchen dann schnell in den anderen Wagon umsteigen können. Also sie, ich muss ja nur bis Euskirchen.

Also folgen sie mir und wir kämpfen uns mit allen Tüten und Taschen nach vorne. Und ich erlebe eine Überraschung: Alle machen Platz. Niemand ist genervt, obwohl es eng ist. Ich sehe viele Menschen mit freundlichen Gesichtern, auch wenn sie nach einem langen Tag wohl auf dem Weg nach Hause sind.

Vorne angekommen haben wir noch zwei Stationen Zeit bis Euskirchen. Der älteren Frau wird ein Sitzplatz angeboten, andere passen auf, dass keine Tüten umfallen, einer sagt mir: „Ich gehe vor und halte die Tür auf.“ Alles kommt zur Ruhe und wir lächeln uns an. Wie schön! Wir können nicht miteinander reden, aber wir verstehen uns. Und die Fremdheit ist weg. Auch der Geruch, er stört mich gar nicht mehr.

In Euskirchen dann das Umladen in den noch volleren Wagon nach Trier. Wir geben uns die Hand. Viel habe ich gar nicht getan und doch spüre ich den Dank. Vergessen werde ich sie so schnell nicht, die Flüchtlinge auf dem Weg nach Trier.

Als ich auf dem Bahnhofsvorplatz meinen Weg suche, denke ich daran, dass sich einmal eine junge schwangere Frau mit ihrem Mann auf den Weg gemacht hat. Auch nicht freiwillig. Und dass die bestimmt auch eine Dusche gebraucht hätten. Maria und Josef.

Das mag ich so im Advent und an Weihnachten. Diese Augenblicke, wo man sich hilft, mit anfasst, einfach freundlich ist zu anderen. Dann denke ich so bei mir: Guck mal an, so kann’s auch gehen. Und bin für einen Moment einfach nur dankbar. Frohe Weihnachten!

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