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Kirche in WDR 2 | 17.09.2016 | 05:55 Uhr

Meine wunderbare Nachbarin

Ich bin stolz auf meine Nachbarin.

Ja, Stolz.

Meine Nachbarin ist eine freundliche Dame, fest verwurzelt im Stadtteil, in dem sie geboren wurde und ihr ganzes Leben verbracht hat..Sie ist eine Frau, mit der man gerne mal ein Pläuschchen auf der Straße hält. Und die auf das Haus aufpasst, wenn wir verreist sind.

Aber darum bin ich nicht stolz auf sie. Das gehört sich ja bei guter Nachbarschaft. Nein, stolz auf sie bin ich aus einem ganz anderen Grund. Und zwar wegen eines Einbrechers.

Der hatte vor einiger Zeit bei uns im Viertel eingebrochen. Dass die Gefahr steigt, hat auf der Straße und im Supermarkt schon zu vielen besorgten Gesprächen geführt. So ein Einbruch ist wirklich keine Kleinigkeit.

Neulich sah ich dann aus dem Küchenfenster diskutierende Menschen auf der Straße und dann auch mehrere Polizeiwagen – offenbar ein Einsatz.

Und tatsächlich – um die Ecke war eingebrochen worden.

Die Familie war im Urlaub, keiner war im Haus. Aber man entdeckte am Morgen eine eingeschlagene Fensterscheibe. Die Polizei wurde gerufen, sicherte den Tatort und durchsuchte vorsichtig das Haus.

Es war bis auf die Fensterscheibe offenbar nichts zerstört, also kein Vandalismus betrieben worden. Aber scheinbar war auch nichts gestohlen worden – Schränke und Schubladen waren unberührt. Ein seltsamer Einbruch.

Die Erklärung fand sich im Schlafzimmer.

Im Bett lag der Einbrecher – so tief schlafend, dass die Polizeibeamten ihn wecken mussten, bevor sie ihn dann verhafteten.

Ein ganz junger Mann war es, den sie dann zum Streifenwagen führten. Er sprach kein Deutsch, keiner konnte verstehen was er sagte. Aber die Nachbarschaft sah: Das muss einer sein, der von zuhause geflüchtet war.

Ein Flüchtling bricht in ein Haus ein.

Na großartig, dachte ich. Das spielt ja wunderbar denen in die Hände, die die Flüchtlinge für alles Schlechte in der Welt verantwortlich machen und darum gleich Freiheit und Demokratie demontieren wollen.

Aber dann kam meine Nachbarin.

Ob ich schon gehört hätte von dem Einbruch? Das wäre ja ein ganz junger Mann gewesen. Ein Farbiger. Wo der wohl herkäme? Und was wohl jetzt mit ihm passieren würde.

Ich antwortete, dass er wohl das Land verlassen müsse – Einbruch sei schließlich kein Pappenstiel.

Und dann sagte meine Nachbarin, diese wunderbare Frau:

„Aber der hat doch gar nichts gemacht. Der hat doch nur ein Bett gesucht. Der hat mir richtig leidgetan, als die ihn zur Streife gebracht haben. Was der wohl hinter sich hat.

Wenn der doch nur bei mir geklingelt hätte – man weiß ja nicht, aber ein Bett hat man doch übrig, für so’n jungen Burschen.“

Ich bin bis heute zutiefst gerührt über ihre Worte.

Kein Hetzen gegen Flüchtlinge, kein Schimpfen über Politik, kein besorgtes Bürgertum.

Sondern ehrlich besorgte Mitmenschlichkeit.

Meine wunderbare Nachbarin sah in dem jungen Einbrecher den Menschen, den eine vermutlich grausame Lebensgeschichte in unser Land verschlagen hat und der auf der Suche nach eine Schlafstätte seine Zukunft in Deutschland verspielt hat und wahrscheinlich wieder dahin zurück gebracht wird, von wo er geflüchtet ist.

„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“, sagt Jesus im Matthäusevangelium. „Wenn er doch nur bei mir geklingelt hätte..“, sagte meine Nachbarin und beschreibt damit ganz praktisch, was das heißt.

Wenn Gott uns begegnet, dann in den Gesichtern der Menschen, die unsere Hilfe brauchen.

Liebe Frau Nachbarin: Gott segne sie für ihre Mitmenschlichkeit,.

Und lieber Einbrecher: Gott schütze Sie, und gebe Ihnen eine zweite Chance im Leben.

Und Gott gebe uns die Kraft, uns nicht von Stimmungsmache oder Vorurteilen blenden zu lassen, sondern im Anderen immer einen von Gott geliebten Menschen zu sehen.

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